Kratom: Wirkung, Dosierung, Inhaltsstoffe und Risiken

Kratom gehört zu den wenigen psychoaktiven Pflanzen, denen sowohl anregende als auch opioidartige Wirkungen zugeschrieben werden. Kleinere Mengen können die Wachheit steigern und die Stimmung beeinflussen, während bei höheren Mengen eher beruhigende und schmerzlindernde Effekte beschrieben werden. Verantwortlich dafür sind vor allem zwei Alkaloide: Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin.

Die Pflanze wird in Südostasien seit Jahrhunderten genutzt und ist inzwischen auch in Europa über den Onlinehandel erhältlich. Trotz ihrer langen Verwendung sind viele Fragen zur Wirkung, Verträglichkeit und langfristigen Sicherheit wissenschaftlich noch nicht ausreichend geklärt.

kratombaum

Was ist Kratom?

Kratom stammt vom tropischen Baum Mitragyna speciosa, der zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) gehört. Seine natürlichen Verbreitungsgebiete liegen vor allem in Thailand, Malaysia und Indonesien.

Traditionell werden die frischen Blätter gekaut oder als Tee zubereitet. Insbesondere Menschen, die körperlich schwere Arbeit verrichten, nutzten Kratom, um Müdigkeit zu verringern und ihre Leistungsfähigkeit zu steigern. Daneben spielte die Pflanze in der traditionellen Heilkunde eine Rolle, unter anderem bei Schmerzen und Durchfallerkrankungen.

Heute wird Kratom überwiegend als getrocknetes, fein gemahlenes Blattpulver angeboten. Daneben existieren Kapseln, Flüssigextrakte und andere Zubereitungen. Vor allem konzentrierte Produkte können sich in ihrer Zusammensetzung erheblich von gewöhnlichem Blattpulver unterscheiden.

Welche Wirkstoffe enthält Kratom?

Kratom enthält zahlreiche natürlich vorkommende Alkaloide. Die pharmakologische Forschung konzentriert sich vor allem auf Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin.

Mitragynin ist das mengenmäßig wichtigste psychoaktive Alkaloid der Pflanze. Es beeinflusst verschiedene Rezeptorsysteme des Nervensystems, darunter die μ-Opioidrezeptoren, die auch für die Wirkungen klassischer Opioide von Bedeutung sind.

7-Hydroxymitragynin kommt in unbehandelten Kratomblättern normalerweise nur in sehr geringen Mengen vor. Es wirkt an μ-Opioidrezeptoren deutlich stärker als Mitragynin. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass Mitragynin im Stoffwechsel teilweise zu 7-Hydroxymitragynin umgewandelt werden kann.

Weitere Alkaloide sind unter anderem Paynanthein, Speciogynin und Speciociliatin. Sie könnten zum gesamten Wirkungsprofil beitragen, ihre Bedeutung beim Menschen ist jedoch noch nicht vollständig erforscht.

Anders als bei Cannabis beruhen die psychoaktiven Eigenschaften von Kratom somit nicht auf Cannabinoiden, sondern hauptsächlich auf Alkaloiden mit teilweise opioidartigen Eigenschaften.

Wie wirkt Kratom?

Die Wirkung hängt von der aufgenommenen Menge, dem Alkaloidgehalt des Produkts und der individuellen Empfindlichkeit ab.

Bei geringeren Mengen berichten Konsumenten häufig von gesteigerter Wachheit, erhöhter Gesprächsbereitschaft und einer verbesserten Stimmung. Auch leichte Euphorie und ein erhöhtes Energiegefühl werden beschrieben.

Bei größeren Mengen können dagegen beruhigende und dämpfende Effekte in den Vordergrund treten. Dazu gehören körperliche Entspannung, Müdigkeit, eine verminderte Schmerzempfindung und gelegentlich ein traumähnlicher Zustand.

Dieser Unterschied ist allerdings nicht so eindeutig, wie häufig behauptet wird. Anregende und sedierende Wirkungen können sich überschneiden. Auch unangenehme Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Schwindel oder Benommenheit sind möglich.

Kratom ist kein klassisches Psychedelikum. Ausgeprägte Wahrnehmungsveränderungen, wie sie beispielsweise bei LSD oder Psilocybin auftreten können, gehören nicht zu seinem typischen Wirkungsprofil. Verwirrtheit und Halluzinationen sind jedoch als unerwünschte Wirkungen dokumentiert.

Kratom-Dosierung: Welche Mengen werden beschrieben?

Eine medizinisch gesicherte Dosierung für Kratom existiert nicht. Die häufig genannten Mengen beruhen vor allem auf traditionellen Anwendungen, Konsumentenberichten und beschreibender Fachliteratur.

Die Verbraucherzentrale nennt für getrocknete Kratomblätter folgende Bereiche:

  • 1 bis 5 Gramm: In diesem Bereich werden überwiegend stimulierende Wirkungen beschrieben, etwa gesteigerte Aufmerksamkeit, Wachheit und eine leichte Euphorie.
  • 5 bis 15 Gramm: Bei größeren Mengen können beruhigende und opioidartige Effekte stärker hervortreten. Gleichzeitig nehmen unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Schwindel und Benommenheit an Bedeutung zu.

Die Europäische Drogenagentur (EUDA) beschreibt in ihrem Drogenprofil bei sehr hohen Mengen von 10 bis 25 Gramm getrockneter Blätter ausgeprägte sedierende bis narkotisierende Wirkungen. Solche Mengen sind mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden.

Die genannten Bereiche sind keine Empfehlungen und keine verlässlichen Wirkungsgrenzen. Es handelt sich um grobe Beschreibungen, die sich nicht ohne Weiteres auf einzelne Produkte übertragen lassen.

Der Gehalt an Mitragynin und anderen Alkaloiden kann je nach Herkunft, Erntezeitpunkt und Verarbeitung deutlich schwanken. Dadurch können gleiche Pulvermengen unterschiedliche Wirkungen hervorrufen.

Für konzentrierte Extrakte gelten diese Grammangaben nicht. Sie können erheblich größere Wirkstoffmengen enthalten als gewöhnliche getrocknete Blätter. Eine allgemein als sicher geltende Konsummenge lässt sich aus den vorhandenen Daten nicht ableiten.

Wann beginnt die Wirkung und wie lange hält sie an?

Nach oraler Aufnahme kann die Wirkung vergleichsweise schnell einsetzen. Die EUDA beschreibt bei einigen Gramm getrockneter Blätter erste anregende Effekte bereits nach ungefähr zehn Minuten.

Diese können etwa eine bis anderthalb Stunden anhalten. Bei hohen Mengen sind länger andauernde beruhigende Wirkungen beschrieben, teilweise über mehrere Stunden.

Die tatsächliche Dauer hängt unter anderem von der aufgenommenen Wirkstoffmenge, der jeweiligen Zubereitung und individuellen Stoffwechselprozessen ab. Wie lange eine Wirkung wahrgenommen wird, ist zudem nicht gleichbedeutend damit, wie lange die Alkaloide im Körper verbleiben.

Rotes, grünes und weißes Kratom: Gibt es tatsächlich Unterschiede?

Im Handel werden Kratomprodukte häufig nach Farben unterschieden. Rote Sorten gelten meist als beruhigend, weiße als anregend und grüne als ausgewogen. Diese Einteilung ist vor allem durch Händlerbeschreibungen und Erfahrungsberichte geprägt.

Ob die Farben tatsächlich unterschiedliche Wirkungsprofile kennzeichnen, ist wissenschaftlich fraglich.

Eine 2023 veröffentlichte Untersuchung befragte 644 Kratomkonsumenten zu ihren Erfahrungen mit roten, grünen und weißen Sorten. Die Befragten beschrieben durchaus unterschiedliche subjektive Wirkungen. Bei der zusätzlichen Laboranalyse von sechs kommerziellen Produkten fanden die Forschenden jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den untersuchten Alkaloidgehalten der verschiedenen Farbkategorien.

Die Aussagekraft der Untersuchung ist begrenzt. Die Befragung war nicht repräsentativ, viele Teilnehmer stammten aus dem Kundenkreis eines Händlers, und die Laboranalyse umfasste lediglich sechs Produkte.

Eine weitere Studie aus dem September 2025 untersuchte den Einfluss von Trocknung, Welkdauer, Pflanzensorte und Jahreszeit auf die chemische Zusammensetzung von Kratom.

Dabei zeigte sich, dass unterschiedliche Trocknungstemperaturen die Farbe des Pulvers verändern können, ohne zwangsläufig entsprechende Veränderungen der wichtigsten Alkaloidgehalte hervorzurufen.

Die Farbe eines Kratomprodukts ist deshalb kein zuverlässiger Hinweis auf seine Zusammensetzung oder Wirkung.

Nebenwirkungen und gesundheitliche Risiken

Zu den häufig beschriebenen unerwünschten Wirkungen gehören Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Schwindel, Schwitzen und Benommenheit.

Auch schwerwiegende gesundheitliche Komplikationen sind dokumentiert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) berichtete im September 2025 unter anderem über Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Atemprobleme sowie Leber- und Nierenschädigungen im Zusammenhang mit Kratom.

International wurden zudem Todesfälle nach dem Konsum von Kratomprodukten bekannt. Auch aus Deutschland liegt ein entsprechender Fallbericht vor.

Die wissenschaftliche Einordnung ist allerdings schwierig. Viele Erkenntnisse stammen aus einzelnen medizinischen Fallberichten. Teilweise wurden gleichzeitig andere Substanzen konsumiert, sodass sich die Ursachen nicht immer eindeutig bestimmen lassen.

Besondere Risiken bestehen bei der Kombination mit Alkohol, Opioiden, Schlaf- oder Beruhigungsmitteln. Dabei können sich dämpfende Wirkungen verstärken. Außerdem kann Kratom den Abbau bestimmter Medikamente beeinflussen und dadurch Wechselwirkungen verursachen.

Verunreinigungen und konzentrierte Extrakte

Neben den Wirkstoffen selbst ist auch die Qualität der angebotenen Produkte ein Problem.

Bei Untersuchungen und behördlichen Kontrollen wurden bereits Kratomprodukte mit Salmonellen sowie erhöhten Gehalten an Schwermetallen wie Blei und Nickel festgestellt. Eine einheitliche Standardisierung handelsüblicher Kratomprodukte besteht nicht.

Besonders kritisch sind Präparate mit künstlich erhöhten Konzentrationen von 7-Hydroxymitragynin. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA warnte 2025 ausdrücklich vor solchen Produkten, die unter anderem als Tabletten, Fruchtgummis und Flüssigpräparate angeboten werden.

Diese hochkonzentrierten Zubereitungen dürfen hinsichtlich ihrer Wirkung und Risiken nicht mit gewöhnlichem Kratomblattpulver gleichgesetzt werden.

Kann Kratom abhängig machen?

Bei regelmäßigem Konsum können sich Toleranz, körperliche Abhängigkeit und Entzugserscheinungen entwickeln.

Wer Kratom über längere Zeit häufig verwendet, kann feststellen, dass die gewohnte Menge weniger stark wirkt. Nach dem Absetzen sind unter anderem Unruhe, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Schwitzen, Muskelschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden beschrieben.

Eine 2024 veröffentlichte Untersuchung mit 395 erwachsenen Kratomkonsumenten in den USA deutet darauf hin, dass die Häufigkeit der Einnahme für Abhängigkeitssymptome und Entzugsbeschwerden eine besonders wichtige Rolle spielt.

Die durchschnittlich beobachteten Entzugsbeschwerden waren überwiegend leicht bis mittelschwer. Das bedeutet jedoch nicht, dass schwerere Verläufe ausgeschlossen sind.

Manche Menschen verwenden Kratom eigenständig, um Beschwerden während eines Opioidentzugs zu lindern. Wissenschaftlich ausreichend abgesicherte Behandlungsverfahren ergeben sich daraus bislang nicht. Zudem besteht die Möglichkeit, dass sich eine eigenständige Kratomabhängigkeit entwickelt.

Ist Kratom in Deutschland legal?

Kratom und die wichtigsten natürlich vorkommenden Alkaloide sind in Deutschland nicht ausdrücklich im Betäubungsmittelgesetz aufgeführt. Ein generelles Besitz- oder Konsumverbot nach diesem Gesetz besteht daher nicht.

Anders sieht es bei der gewerblichen Vermarktung aus.

Wird ein Kratomprodukt als Arzneimittel eingeordnet, fehlt eine entsprechende Zulassung. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnte im Juli 2025 ausdrücklich vor der Anwendung von Kratom zu medizinischen Zwecken.

Auch eine Vermarktung als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel ist problematisch. Kratom fällt nach der lebensmittelrechtlichen Bewertung unter die Vorschriften für neuartige Lebensmittel. Eine entsprechende EU-Zulassung liegt nicht vor.

Das BfR erklärte im September 2025, dass die rechtliche Einordnung von Kratomprodukten in Deutschland nicht abschließend geklärt sei. Entscheidend können unter anderem Zusammensetzung, Zweckbestimmung und Aufmachung eines konkreten Produkts sein.

Dass Kratom online erhältlich ist, bedeutet daher nicht automatisch, dass es rechtmäßig als Konsumprodukt angeboten wird.

Fazit

Kratom besitzt ein pharmakologisch ungewöhnliches Wirkungsprofil, das sowohl stimulierende als auch opioidartige Effekte umfasst. Entscheidend sind vor allem die enthaltenen Alkaloide und deren Konzentration.

Die traditionelle Verwendung ist gut dokumentiert. Dagegen fehlen weiterhin ausreichend belastbare klinische Untersuchungen, um therapeutische Wirkungen, sichere Dosierungen und langfristige Gesundheitsrisiken zuverlässig beurteilen zu können.

Besonders die große Variabilität handelsüblicher Produkte erschwert eine Einschätzung. Die Bezeichnungen rotes, grünes oder weißes Kratom bieten dabei ebenso wenig Sicherheit wie die bloße Angabe einer Pulvermenge.

Quellen

  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Kratom-Zubereitungen: Einnahme kann Gesundheitsbeschwerden hervorrufen. Mitteilung Nr. 032/2025 vom 4. September 2025.
  • Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): BfArM warnt vor der Anwendung von Kratom. Pressemitteilung vom 1. Juli 2025.
  • Europäische Drogenagentur (EUDA): Kratom (Mitragyna speciosa) – Drogenprofil.
  • Verbraucherzentrale: Kratom – Erhebliches Risiko. Stand: 19. Dezember 2025.
  • Huisman, G. et al. (2023): Examining the Psychoactive Differences between Kratom Strains. International Journal of Environmental Research and Public Health, 20(14), 6425.
  • Zhang, M. et al. (2025): Alkaloid biosynthesis in medicinal crop kratom (Mitragyna speciosa) varies with postharvest, genetic, and seasonal factors. Frontiers in Plant Science, 16, 1653916.
  • Rogers, J. M. et al. (2024): Kratom addiction per DSM-5 SUD criteria, and kratom physical dependence: Insights from dosing amount versus frequency. Drug and Alcohol Dependence, 260, 111329.
  • Kruegel, A. C. et al. (2019): 7-Hydroxymitragynine Is an Active Metabolite of Mitragynine and a Key Mediator of Its Analgesic Effects. ACS Central Science, 5(6), 992–1001.
  • US Food and Drug Administration (FDA): Products Containing 7-OH Can Cause Serious Harm. 2025.

Stand: 10.2026

Teilen & weitersagen: