Stand: 03.2026
Dieser Beitrag ordnet Cannabis mit Blick auf Wirkung, Risiken und alltagsrelevante Beeinträchtigung ein – mit Schwerpunkt auf THC-dominanten Produkten, da THC die berauschenden Effekte und typische Einschränkungen (z. B. im Straßenverkehr) maßgeblich prägt. CBD-dominante Produkte mit sehr niedrigem THC werden nur am Rand berücksichtigt.

Cannabis bezeichnet die berauschenden Produkte der Hanfpflanze (Gattung Cannabis), insbesondere der unbefruchteten weiblichen Blütenstände (auch Marihuana genannt, umgangssprachlich Gras, Weed, Ganja). Durch den Konsum der getrockneten Blüten oder daraus gewonnener Harzprodukte (Haschisch) werden psychoaktive Effekte hervorgerufen. Typischerweise wirkt Cannabis bewusstseinsverändernd und euphorisierend, was es weltweit zu einer verbreiteten Rauschdroge gemacht hat. Neben Marihuana und Haschisch existieren auch konzentrierte Extrakte wie Haschischöl, die zu Rauschzwecken genutzt werden. In den meisten Ländern unterliegen Anbau, Besitz und Handel mit Cannabis rechtlichen Beschränkungen und/oder Verboten. In jüngerer Zeit lockern jedoch einige Staaten ihre Verbote und re-regulieren die Gesetzgebung (siehe Abschnitt „Rechtlicher Status“).
Geografischer Ursprung von Cannabis
Die Ursprünge von Cannabis werden in der Fachliteratur überwiegend in Eurasien verortet – häufig im zentralasiatisch-ostasiatischen Raum. Je nach Forschungsansatz wird dabei unterschieden zwischen dem natürlichen Verbreitungsgebiet früher Wildformen und den Regionen, in denen Cannabis besonders früh genutzt und kultiviert wurde. Genetische und archäobotanische Hinweise sprechen dafür, dass Ostasien (unter anderem Teile Chinas) für frühe Linien und die Domestikation eine zentrale Rolle gespielt haben, während Zentralasien oft als wichtiger Raum für Wildvorkommen und Ausbreitungsprozesse diskutiert wird. Aus Wildpopulationen entwickelten sich durch regionale Anpassung, gezielte Auslese und frühe Kultivierung unterschiedliche Formen, die heute unter dem Sammelbegriff Cannabis zusammengefasst werden.
Botanische Einordnung und Ursprungsräume
Die botanische Einordnung von Cannabis ist in der Fachliteratur nicht in allen Punkten einheitlich. Häufig wird Cannabis als eine Art (Cannabis sativa) verstanden, innerhalb derer je nach taxonomischem Ansatz Unterarten, Varietäten oder Formen beschrieben werden. Parallel dazu hat sich – vor allem in Züchtung, Handel und Umgangssprache – eine Einteilung in „Sativa“, „Indica“ und „Ruderalis“ etabliert. Diese Begriffe sind für viele Menschen hilfreich, weil sie typische Unterschiede bei Wuchsform, Blühverhalten sowie Cannabinoid- und Terpenprofilen zusammenfassen. Gleichzeitig sollte man sie nicht als strikt trennscharfe botanische „Arten-Schubladen“ verstehen: In der Praxis sind viele heutige Pflanzen genetisch gemischt, und Übergänge sind häufig.
„Sativa“-Typen werden meist mit hochwüchsigen, eher licht- und wärmeliebenden Formen verbunden. Typisch sind ein schlanker Aufbau, längere Internodien und – je nach Genetik – ein eher späteres Blühverhalten. Historisch spielte dieser Formenkreis eine zentrale Rolle als Faser- und Samenpflanze (Hanf), weil er hohe Biomasse, robuste Stängel und gute Erträge liefern kann. Je nach Züchtungsziel existieren daneben auch Linien, die stärker auf bestimmte Inhaltsstoffprofile selektiert wurden.
„Indica“-Typen sind in der gebräuchlichen Einteilung häufig kompakter, buschiger und früher reifend beschrieben. Oft wird auch eine ausgeprägtere Harzbildung genannt, was in bestimmten traditionellen Nutzungsformen eine Rolle spielte. Geografisch werden „Indica“-Begriffe in vielen Darstellungen mit Regionen Süd- und Zentralasiens assoziiert. Dabei ist jedoch Vorsicht sinnvoll: Viele moderne Sorten und zahlreiche traditionelle Linien sind das Ergebnis langer Wanderungs- und Züchtungsgeschichten, sodass „Herkunft“ nicht immer sauber einem heutigen Staatsgebiet oder einer einzelnen Region zugeordnet werden kann.
„Ruderalis“-Typen stehen meist für kleinwüchsige, robuste Formen, die in nördlicheren Breiten oder kontinental geprägten Klimaräumen verwildert vorkommen können. Züchterisch sind sie vor allem wegen einer Eigenschaft bedeutsam, die häufig als autoflowering bezeichnet wird: Die Blüte setzt dabei stärker entwicklungsabhängig ein und wird weniger durch die Tageslichtlänge gesteuert. In modernen Hybriden kann diese Eigenschaft genutzt werden, um Pflanzen mit einem planbaren, oft zügigen Lebenszyklus zu entwickeln. Gleichzeitig gilt auch hier: Je stärker Hybridisierung und Selektion, desto weniger taugt die ursprüngliche „Schublade“ als exakte biologische Kategorie.
Zusammengefasst lassen sich viele Unterschiede, die heute unter „Sativa“, „Indica“ und „Ruderalis“ diskutiert werden, am besten als Ergebnis von Auslese, regionaler Anpassung und gezielter Züchtung verstehen. Für die Einordnung im Alltag ist daher weniger entscheidend, welchem Etikett eine Pflanze zugeordnet wird, sondern welche konkreten Merkmale sie mitbringt: Wuchs und Blühverhalten, erwartbare Inhaltsstoffprofile sowie – je nach Kontext – die daraus abgeleiteten Risiken und praktischen Folgen.
Vom Arzneimittel zur verbotenen Substanz – die Ächtung von Cannabis im 20. Jahrhundert
Cannabispräparate waren lange Zeit auch medizinisch gebräuchlich. Im 20. Jahrhundert änderte sich die Einordnung jedoch stark: Internationale Abkommen, politische Debatten und ein wachsender Fokus auf Strafverfolgung führten in vielen Ländern zur Kriminalisierung. Diese Entwicklung prägte über Jahrzehnte den Umgang mit Cannabis – obwohl die Bewertung von Risiken und medizinischem Nutzen je nach Kontext differenziert ausfällt. Entscheidend ist heute vor allem, welche Regeln in Deutschland gelten und welche Konsequenzen im Alltag (z. B. im Straßenverkehr) daraus entstehen.
Produkte aus Cannabis
Aus der Cannabispflanze können unterschiedliche Rauschmittel-Produkte gewonnen werden. Die wichtigsten sind:
- Cannabisblüten (Marihuana): Die getrockneten, unbefruchteten weiblichen Blütenstände mit den kleinen angrenzenden Blättchen bilden die gängigste Konsumform. Marihuana wird meist als zerkleinertes Pflanzenmaterial verwendet. Je nach Sorte und Anbaumethode liegt der Gehalt an THC etwa zwischen 5 % und 22 %, in bestimmten Hochzüchtungen auch über 25 %.
- Harz (Haschisch): Durch Abreiben oder Ausschlagen der getrockneten Blüten lassen sich die harzigen Drüsenhaare (Trichome) gewinnen, die den Großteil der Wirkstoffe enthalten. Dieses feine Harzpulver wird meist von Hand oder mechanisch zu Haschischplatten bzw. -blöcken gepresst. Haschisch ist je nach Reinheit und Herkunft hell- bis dunkelbraun. Sein THC-Gehalt liegt typischerweise bei 15–20 %, in hochwertigem Haschisch auch deutlich darüber. Traditionell stammen bedeutende Haschisch-Sorten aus Regionen wie Nordafrika (etwa Marokko) oder dem Nahen Osten, wo die Herstellung eine lange Kultur hat.
- Cannabisöl (Haschischöl): Hierbei handelt es sich um einen konzentrierten Extrakt, der mittels Lösungsmitteln (wie Alkohol oder Butangas) oder durch CO₂-Extraktion aus Cannabisblüten gewonnen wird. Das Ergebnis ist ein öl- oder harzartiges Produkt mit sehr hoher Cannabinoid-Konzentration (THC-Gehalte von 50 % bis zu 90 % sind möglich). Cannabisöl wird meist verdampft, in geringster Menge auf eine Zigarette gestrichen oder als Zutat in Lebensmitteln/Getränken konsumiert. Aufgrund seiner Potenz genügen winzige Mengen, um starke Wirkungen zu erzielen.
- Kief und moderne Konzentrate: Kief bezeichnet das feine Harzpulver der Pflanze, das sich z. B. in Grinder-Mühlen sammelt. Es kann direkt geraucht oder weiter zu Haschisch gepresst werden. Überdies gibt es neuere Cannabis-Konzentrate in fester Form (wie Wax, Shatter oder Rosin), die mittels verschiedener Techniken hergestellt werden und sehr hohe THC-Gehalte aufweisen. In Regionen mit legalem Markt werden außerdem angereicherte Lebensmittel und Getränke (sogenannte Edibles, z.B. THC-haltige Kekse, Schokolade oder Getränke) angeboten. Diese spielen vor allem dort eine Rolle, wo es legale Verkaufsstellen gibt (z. B. Coffeeshops in den Niederlanden oder lizenzierte Dispensaries/Apotheken in einigen Ländern).
Konsumformen
Inhalation (Rauchen/Verdampfen): Die mit Abstand häufigste Konsumform ist das Rauchen. Dabei werden die Cannabisblüten oder Haschisch meist in Papier zu Zigaretten (Joints) gedreht – oft gemischt mit Tabak – oder in Pfeifen und Wasserpfeifen (Bongs) verbrannt und der Rauch wird inhaliert. Die Wirkung setzt bei Inhalation rasch ein (oft innerhalb von Minuten), da das THC über die Lunge zeitnah ins Blut gelangt. Eine Alternative zum Verbrennen ist das Verdampfen mittels Vaporizer: Dabei erhitzt man das Pflanzenmaterial, ohne es zu verbrennen, sodass die Wirkstoffe verdampfen und inhaliert werden können. Dies reduziert die Aufnahme von Reiz- und Verbrennungsstoffen deutlich und wird von vielen Konsumenten als schonendere Methode angesehen.
Orale Aufnahme: Cannabis kann auch über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden. Hierfür werden die Wirkstoffe meist zunächst in Fett (da Cannabinoide fettlöslich sind) oder Alkohol gelöst und dann Lebensmitteln oder Getränken beigemischt. Cannabis-haltige Speisen – etwa Space Cookies (Kekse), Kuchen, Schokolade – und Getränke (z.B. Hanftee) nennt man Edibles. Bei oraler Einnahme setzt die Wirkung verzögert ein (typischerweise nach 30–90 Minuten), hält dafür aber deutlich länger an als beim Rauchen. Die Dosierung ist schwieriger zu kontrollieren; insbesondere unerfahrene Nutzer konsumieren in Form von Edibles leicht zu hohe Dosen. Medizinische Cannabispräparate (wie Tropfen, Kapseln oder Mundsprays) werden ebenfalls oral verabreicht.
Wirkstoffe und Wirkmechanismus von Cannabis
Die berauschende Wirkung von Cannabis beruht hauptsächlich auf seinem Gehalt an Cannabinoiden – einer Gruppe von über 100 in der Pflanze identifizierten chemischen Verbindungen. Der wichtigste psychoaktive Inhaltsstoff ist Δ^9-Tetrahydrocannabinol (THC). Daneben kommen z.B. Cannabidiol (CBD), Cannabinol (CBN) und weitere Cannabinoide meist in geringerem Anteil vor. In der frischen Pflanze liegen diese Wirkstoffe überwiegend in Säureform vor (THC- und CBD-Säuren) und entfalten erst nach Erhitzung ihre volle Wirkung (durch Decarboxylierung beim Rauchen, Verdampfen oder Backen). Nicht alle Hanfpflanzen enthalten genügend THC für einen Rausch – insbesondere Nutzhanf-Sorten und manche speziell gezüchtete medizinische Sorten sind THC-arm und daher nicht für Rauschzwecke geeignet.
Im Körper bindet THC an spezifische Cannabinoid-Rezeptoren des sogenannten Endocannabinoid-Systems. Dieses System – bestehend aus Rezeptoren (vor allem CB1 und CB2) und körpereigenen Cannabinoid-Botenstoffen – ist an der Regulierung vielfältiger Prozesse beteiligt (u.a. Schmerzempfinden, Appetit, Stimmung, Gedächtnis). THC wirkt als partieller Agonist an den Cannabinoidrezeptoren, d.h. es dockt dort an und imitiert oder moduliert die Wirkung der natürlichen Endocannabinoide. CB1-Rezeptoren befinden sich vor allem im Zentralnervensystem, besonders in Hirnarealen, die für Gedächtnis (Hippocampus), Bewegungskoordination (Basalganglien, Kleinhirn) und Belohnung/Emotion (limbisches System) wichtig sind. Dies erklärt die vielfältigen zentralnervösen Effekte des Cannabisrausches (Beeinflussung von Kognition, Motorik und Gefühlen). CB2-Rezeptoren liegen überwiegend auf Zellen des Immunsystems; ihre Aktivierung durch Cannabinoide wird mit immunmodulatorischen und entzündungshemmenden Effekten in Verbindung gebracht.
Neben THC tragen auch andere Cannabinoide in geringem Maße zur Gesamtwirkung bei. Vor allem CBD (Cannabidiol) ist pharmakologisch interessant: Obwohl CBD nicht direkt an CB1/CB2-Rezeptoren bindet, beeinflusst es das Endocannabinoid-System indirekt. Es wird angenommen, dass CBD antipsychotische, angstlösende und entkrampfende Eigenschaften hat. In Cannabis mit hohem CBD-Anteil wird daher eine eher körperlich entspannende und weniger stark psychoaktive Wirkung beobachtet. Insgesamt entsteht die konkrete Wirkung eines Cannabisprodukts durch das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe – ein Phänomen, das als Entourage-Effekt diskutiert wird, da sich die Komponenten in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken oder abschwächen könnten.
Wirkung von Cannabis
Die Wirkung von Cannabis wird vor allem durch den THC-Gehalt, die konsumierte Menge, die Konsumform sowie durch individuelle Faktoren wie Gewöhnung, Stimmung, Umgebung und Erwartung geprägt. Entsprechend kann dieselbe Substanz von verschiedenen Personen unterschiedlich erlebt werden. Typisch sind Veränderungen von Wahrnehmung, Stimmung und Zeitempfinden. Häufig beschrieben werden eine veränderte Stimmungslage, ein subjektiv intensiveres Erleben von Sinneseindrücken sowie ein verändertes Zeitgefühl.
Cannabis kann je nach Situation eher beruhigend oder innerlich anregend wirken. Wie ausgeprägt diese Effekte sind, hängt stark vom Produkt, von der Dosis und vom Konsumkontext ab. Deshalb lässt sich die Wirkung nicht für alle Personen einheitlich vorhersagen.
Neben den psychischen Veränderungen treten oft auch typische körperliche Begleiterscheinungen auf. Dazu zählen vor allem gerötete Augen, Mundtrockenheit und gesteigerter Appetit. Manche Konsumenten berichten außerdem über eine veränderte Körperwahrnehmung oder eine eher ruhige, körperlich entspannte Verfassung.
Die Wirkung setzt je nach Konsumform unterschiedlich ein. Beim Inhalieren tritt sie meist rasch ein und wird oft schon nach wenigen Minuten wahrgenommen. Bei oraler Aufnahme, etwa über Edibles, setzt sie verzögert ein und kann länger anhalten. Auch deshalb können Wirkungseintritt, Intensität und Dauer je nach Produkt deutlich variieren.
Insgesamt lässt sich die akute Wirkung von Cannabis als Mischung aus Stimmungsveränderung, veränderter Wahrnehmung und typischen körperlichen Begleiterscheinungen beschreiben. Gleichzeitig kann der Übergang von gewünschter Wirkung zu unangenehmen oder einschränkenden Effekten fließend sein. Diese Nebenwirkungen, akuten Beeinträchtigungen und Risiken werden im folgenden Abschnitt gesondert betrachtet.
Nebenwirkungen von Cannabis
Cannabis kann neben den gewünschten Effekten auch unerwünschte akute körperliche und psychische Wirkungen auslösen. Wie stark diese ausfallen, hängt vor allem von THC-Gehalt, konsumierter Menge, Konsumform, persönlicher Erfahrung, individueller Empfindlichkeit und möglichem Mischkonsum ab. Vor allem hohe THC-Dosen oder für die betroffene Person ungewohnte Mengen können Angstgefühle, Panikattacken, innere Unruhe, paranoide Gedanken oder ein deutliches Gefühl der Überforderung auslösen. Solche negativ empfundenen Zustände treten eher bei weniger geübten Konsumenten oder nach übermäßigem Konsum auf und klingen in der Regel nach einigen Stunden wieder vollständig ab.
Zu den akuten Nebenwirkungen gehören jedoch nicht nur unangenehme psychische Reaktionen. Cannabis kann auch kognitive und psychomotorische Beeinträchtigungen verursachen, etwa Konzentrationsstörungen, verlangsamte Reaktionszeit, ein schwächeres Kurzzeitgedächtnis, eingeschränktes Urteilsvermögen und eine schlechtere Koordination. Diese Effekte sind im Alltag besonders relevant, weil sie nicht nur das subjektive Erleben verändern, sondern auch die Fähigkeit beeinträchtigen, Situationen richtig einzuschätzen und sicher zu handeln. Akute Risiken ergeben sich daher in der Praxis oft weniger aus einer klassischen „Vergiftung“ als aus Fehlentscheidungen, Kreislaufreaktionen oder gefährlichen Situationen im Umfeld.
Im unmittelbaren Gebrauch gilt Cannabis im Vergleich zu vielen anderen Rauschmitteln als Substanz mit relativ geringer akuter Toxizität. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Konsum harmlos wäre. Die wichtigsten akuten Probleme entstehen meist nicht durch eine lebensbedrohliche Überdosierung im engeren Sinn, sondern durch Überforderung, starke psychische Reaktionen, Kreislaufprobleme, Mischkonsum oder Situationen, in denen Konzentration, Reaktionsfähigkeit und Koordination beeinträchtigt sind. Gerade im Straßenverkehr, beim Bedienen von Maschinen oder in anderen riskanten Alltagssituationen kann das erhebliche Folgen haben.
Bei regelmäßigem Konsum entwickelt sich zudem eine gewisse Toleranz gegenüber THC. Das bedeutet, dass die Rauschwirkung bei gleicher Dosis nachlässt und Konsumenten tendenziell größere Mengen benötigen, um denselben Effekt zu erzielen. Nach mehrtägiger Abstinenz bildet sich diese Toleranz in der Regel zumindest teilweise wieder zurück.
Toxizität und Überdosierung
Cannabis weist im Vergleich zu vielen anderen psychoaktiven Substanzen eine geringe akute Toxizität auf. Eine tödliche Überdosierung durch den Wirkstoff THC gilt beim Menschen als äußerst unwahrscheinlich; in der medizinischen Literatur werden keine gesicherten Fälle beschrieben, in denen eine Todesfolge eindeutig allein auf THC zurückgeführt werden konnte. Das heißt jedoch nicht, dass sehr hohe Mengen unproblematisch wären. Auch ohne klassische letale Toxizität kann Cannabis bei übermäßigem Konsum deutlich belastende Beschwerden auslösen.
Zu den typischen Symptomen einer zu starken akuten Wirkung zählen Schwindel, Kreislaufprobleme, Übelkeit und Erbrechen, Herzrasen, ausgeprägte Angstzustände, Panik, Verwirrtheit oder vorübergehende Desorientierung. Besonders unangenehm kann eine Überdosierung bei hochpotenten Produkten oder nach ungewohnt hohen Mengen verlaufen. Gleiches gilt für oral konsumierte Produkte wie Edibles: Da die Wirkung hier oft verzögert einsetzt, besteht ein erhöhtes Risiko, dass zu früh nachdosiert wird und die Wirkung später deutlich stärker ausfällt als erwartet.
In einzelnen Fällen können auch schwerere psychische Reaktionen auftreten, etwa ausgeprägte paranoide Zustände, Halluzinationen oder psychoseähnliche Episoden. Solche Verläufe sind nicht die Regel, sollten in einem seriösen Überblick aber klar benannt werden. Besonders anfällig sind Personen mit geringer Konsumerfahrung, sehr hoher THC-Exposition oder entsprechender psychischer Verletzlichkeit.
Bei einem Teil der chronischen Konsumenten kann außerdem ein Cannabinoid-Hyperemesis-Syndrom (CHS) auftreten. Dabei handelt es sich um ein seltenes, aber klinisch relevantes Krankheitsbild mit wiederkehrender starker Übelkeit, anhaltendem oder schubweisem Erbrechen und häufig auch Bauchschmerzen im Zusammenhang mit Cannabiskonsum. Charakteristisch ist, dass Betroffene die Beschwerden oft vorübergehend durch heiße Duschen oder Bäder lindern. CHS ist keine typische Standardnebenwirkung gelegentlichen Konsums, sondern eher ein Warnsignal bei langfristigem, regelmäßigem und problematischem Konsummuster.
Wichtig: Akute Notfälle entstehen in der Praxis meist nicht durch eine „Vergiftung“ im klassischen Sinn, sondern durch psychische Überforderung, Kreislaufreaktionen, Mischkonsum – zum Beispiel mit Alkohol – oder durch Risiken im Umfeld, etwa Stürze, Verkehr oder Selbstgefährdung. Bei Ohnmacht, Brustschmerz, anhaltendem Erbrechen, starker Verwirrtheit, schweren Panikzuständen, Halluzinationen oder Selbstgefährdung sollte medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden.
Hinweis: In diesem Abschnitt wurden ausschließlich die unmittelbaren Wirkungen und akuten Risiken betrachtet. Mögliche Langzeitfolgen und gesundheitliche Risiken werden im Folgenden gesondert beschrieben.
Langzeitfolgen und gesundheitliche Risiken
Regelmäßiger Cannabiskonsum kann – über das akute Rauscherleben hinaus – mittel- und langfristige Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Welche Schäden ein dauerhafter Cannabisgebrauch tatsächlich verursacht, ist wissenschaftlich nicht in allen Details abschließend geklärt und in einzelnen Punkten weiterhin umstritten. Viele Studien deuten jedoch darauf hin, dass intensiver, langjähriger Konsum mit bestimmten Risiken verbunden ist – insbesondere dann, wenn der Konsum früh im Jugendalter beginnt. Die Datenlage ist insgesamt komplex, weil Konsummuster, Produktstärken, Begleitfaktoren und Mischkonsum die Ergebnisse beeinflussen. Nachfolgend sind die wichtigsten potenziellen Auswirkungen zusammengefasst, unterteilt in körperliche sowie psychische und neurologische Bereiche.
Körperliche Folgen
Da Cannabis häufig geraucht wird, ähnelt die Belastung der Atemwege grundsätzlich der beim Tabakrauchen. Chronische Bronchitis mit anhaltendem Husten und vermehrter Schleimbildung tritt bei starken Cannabisrauchern vermehrt auf. Hinsichtlich Lungenkrebs gibt es bislang keine eindeutigen Belege: Einige Untersuchungen fanden keinen signifikanten Zusammenhang zwischen moderatem Cannabiskonsum und Lungenfunktionsstörungen oder Krebs, andere deuten auf ein leicht erhöhtes Risiko hin. Die Bewertung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass viele Cannabiskonsumenten parallel Tabak rauchen, was die Ergebnisse verfälschen kann. Insgesamt wird die karzinogene Wirkung von reinem Cannabisrauch zwar meist geringer eingeschätzt als die von Tabakrauch, schädliche Effekte auf Lunge und Atemwege sind dennoch möglich. Aus präventiver Sicht ist es deshalb sinnvoll, Cannabis möglichst nicht durch Verbrennung zu konsumieren oder zumindest den Mischkonsum mit Tabak zu vermeiden.
Kurz nach dem Konsum steigen Pulsfrequenz und Herzzeitvolumen an. Für gesunde Menschen ist dies meist unproblematisch. Bei Personen mit vorgeschädigtem Herz-Kreislauf-System wurden jedoch in seltenen Fällen akute Komplikationen wie Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen im zeitlichen Zusammenhang mit Cannabisgebrauch beobachtet. Das absolute Risiko für ein schwerwiegendes kardiales Ereignis gilt zwar insgesamt als gering, dennoch raten Ärzte bei bekannten Herzproblemen zu besonderer Vorsicht. Cannabis beeinflusst außerdem kurzfristig die Gefäßweite – sichtbar etwa an geröteten Augen – und kann den Blutdruck schwanken lassen.
Zu den weiteren körperlichen Aspekten gehört, dass hohe THC-Dosen im Labor die Funktion bestimmter Immunzellen beeinflussen können. Ob daraus klinisch relevante Auswirkungen auf die Infektanfälligkeit resultieren, ist bislang unklar. Bei Männern kann chronischer starker Cannabiskonsum vorübergehend die Spermienzahl und -beweglichkeit vermindern; bei Frauen könnten Eisprung und Menstruationszyklus beeinflusst werden. Diese Effekte gelten meist als reversibel nach Abstinenz. In der Schwangerschaft wird vom Cannabiskonsum abgeraten, da Hinweise bestehen, dass die Wirkstoffe die Entwicklung des Fötus beeinträchtigen könnten – etwa durch niedrigeres Geburtsgewicht oder möglicherweise ein leicht erhöhtes Risiko neurologischer Entwicklungsauffälligkeiten. Die genaue Abgrenzung bleibt schwierig, weil konsumierende Schwangere häufig auch Tabak rauchen oder andere Risikofaktoren vorliegen. Vorsichtshalber gilt daher: Schwangere und Stillende sollten auf Cannabis verzichten.
Neurologische Folgen
Während des akuten Rausches sind Denken, Aufmerksamkeit und insbesondere das Kurzzeitgedächtnis deutlich beeinträchtigt. Diese Veränderungen gehören zum typischen Wirkprofil von THC und bilden sich nach Abklingen des Rausches in der Regel wieder vollständig zurück. Die entscheidende Frage ist daher weniger, ob Cannabis akut die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigt – das ist gut belegt –, sondern ob Langzeitkonsum bleibende kognitive Defizite hinterlassen kann.
Langjährige Cannabiskonsumenten schneiden in Tests zu Gedächtnis, Lernfähigkeit und Konzentration teilweise schlechter ab als Nicht-Konsumenten. Ein Teil dieses Effekts könnte allerdings dadurch erklärt werden, dass Probanden noch unter Rausch- oder Entzugsbedingungen getestet wurden. Aktuelle Übersichtsarbeiten zeigen deshalb meist nur geringe Effektstärken für dauerhafte kognitive Beeinträchtigungen. Das bedeutet: Mögliche Leistungseinbußen sind statistisch nachweisbar, im Alltag aber oft nur begrenzt ausgeprägt und können sich nach längerer Abstinenz zumindest teilweise zurückbilden. Diese Einschätzung bezieht sich allerdings vor allem auf Erwachsene, die älter als 25 Jahre sind.
Das jugendliche Gehirn ist deutlich anfälliger. Wer bereits im frühen Teenageralter regelmäßig konsumiert, zeigt in einigen Studien stärkere und teils anhaltendere Einbußen, etwa schlechteres schulisches Abschneiden, Defizite in Aufmerksamkeit und Lernen oder einen leichten Rückgang bestimmter kognitiver Leistungen. Auch wenn die genaue Größenordnung einzelner Effekte weiterhin diskutiert wird, besteht weitgehend Konsens darüber, dass frühzeitiger und intensiver Cannabiskonsum die neurokognitive Entwicklung ungünstig beeinflussen kann.
Psychosen durch Cannabiskonsum
Ein häufig diskutiertes Risiko ist der Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychosen. Epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass hoch dosierter, langjähriger Konsum bei einem kleinen Teil der Menschen das Risiko erhöhen kann, eine schwere psychotische Erkrankung – etwa eine Schizophrenie – zu entwickeln. Besonders gefährdet scheinen jugendliche Vielkonsumenten sowie Personen mit familiärer Vorbelastung für Psychosen zu sein.
Als möglicher Mechanismus wird angenommen, dass THC bei entsprechend veranlagten Personen latente psychotische Störungen früher auslösen oder bestehende Symptome verschlimmern kann. Gleichzeitig gilt: Die meisten Konsumenten – auch viele regelmäßige Nutzer – entwickeln keine Psychose, und nicht alle Studien sehen einen klaren kausalen Zusammenhang. Es bleibt daher offen, in welchem Ausmaß Cannabis hier ursächlich wirkt und in welchem Ausmaß Menschen mit beginnenden psychischen Problemen eher zu Cannabis greifen – etwa im Sinn einer Selbstmedikation. Die Daten sprechen dennoch dafür, das Thema gerade bei jungen Menschen und psychisch vulnerablen Personen ernst zu nehmen.
Angststörungen und Depressionen
Regelmäßiger Cannabisgebrauch wird in manchen Untersuchungen auch mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für Angstzustände, depressive Verstimmungen oder andere psychische Beschwerden in Verbindung gebracht. Eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung ist jedoch schwer nachzuweisen, weil dabei viele begleitende Faktoren eine Rolle spielen, etwa soziales Umfeld, weitere Substanzen, Belastungssituationen oder bereits bestehende psychische Probleme.
Gleichzeitig berichten manche Konsumenten das Gegenteil, nämlich dass sie Cannabis zur Linderung von Angst, innerer Anspannung oder depressiver Stimmung einsetzen. Aus psychiatrischer Sicht kann Cannabis daher zwiespältig wirken: bei manchen Personen kurzfristig entspannend oder entlastend, bei anderen eher auslösend oder verschlechternd. Allgemein wird vor allem chronischer starker Konsum eher mit nachteiligen psychischen Effekten in Verbindung gebracht, insbesondere bei jungen Menschen.
In der öffentlichen Debatte wird zudem gelegentlich ein sogenanntes amotivationales Syndrom beschrieben – also die Vorstellung, dass Kiffen Menschen antriebslos, apathisch und sozial zurückgezogen mache. Tatsächlich beobachten Therapeuten bei manchen langjährigen, hochdosierten Konsumenten eine gewisse Interessenlosigkeit und Passivität, die sich etwa in nachlassender schulischer oder beruflicher Leistung äußern kann. Allerdings ist unklar, ob Cannabis hier tatsächlich die Ursache ist oder ob von vornherein weniger motivierte Personen eher zu Dauerkonsum neigen. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis eines spezifischen cannabisbedingten Amotivationssyndroms steht bislang aus. Unabhängig davon kann starker Konsum – gerade bei Jugendlichen – die Lebensgestaltung beeinträchtigen, etwa durch die Vernachlässigung von Pflichten, Hobbys und sozialen Kontakten zugunsten des Drogengebrauchs.
Abhängigkeit
Cannabis besitzt ein gewisses Suchtpotenzial, auch wenn dieses im Vergleich zu Nikotin, Alkohol oder Opiaten meist geringer eingeschätzt wird. Bei regelmäßigem und häufigem Konsum kann sich eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Schätzungen zufolge entwickeln rund 9 % aller Menschen, die jemals Cannabis ausprobiert haben, im Laufe ihres Lebens ein abhängiges Konsummuster beziehungsweise eine Cannabisgebrauchsstörung. Dieses Risiko liegt deutlich höher, wenn der Konsum früh im Jugendalter beginnt und besonders häufig stattfindet.
Anzeichen einer Abhängigkeit sind zum Beispiel, dass die Kontrolle über den Konsum verloren geht, trotz Vorsatz weiter konsumiert wird oder andere Lebensbereiche in den Hintergrund treten. Beim Absetzen können Entzugssymptome auftreten, die zwar meist nicht lebensbedrohlich, aber durchaus belastend sind. Typisch sind Reizbarkeit, innere Unruhe, Schlafstörungen, vermindertes Appetitgefühl und ein starkes Verlangen nach Cannabis. Körperlich gefährliche Entzugserscheinungen wie bei Alkohol- oder Heroinabhängigkeit treten bei Cannabis in der Regel nicht auf. Viele Betroffene schaffen den Ausstieg ohne medizinische Hilfe; in schwierigeren Fällen können Beratung, ambulante Unterstützung oder Therapie jedoch sinnvoll sein.
Einstiegsdroge
Seit Langem wird diskutiert, ob Cannabis als sogenannte Gateway-Droge den Einstieg in den Konsum „harter“ Drogen fördert. Statistisch zeigen sich zwar Zusammenhänge – viele Konsumenten von Kokain oder Heroin haben zuvor Cannabis konsumiert –, daraus lässt sich jedoch kein direkter Kausalzusammenhang ableiten. Die Gateway-Hypothese ist wissenschaftlich weiterhin umstritten.
Fachgremien betonen, dass soziale und individuelle Faktoren eine zentrale Rolle spielen, etwa die Verfügbarkeit verschiedener Substanzen auf dem Schwarzmarkt, Konsummuster im Freundeskreis, psychische Belastungen oder allgemeine Risikoneigung. Cannabis führt also nicht automatisch zu anderen Drogen. Bislang konnte die Einstiegsdroge-These weder klar bewiesen noch eindeutig widerlegt werden. Insgesamt besteht weiterhin eine Wissenslücke darüber, warum manche Personen von Cannabis zu härteren Drogen übergehen und andere nicht. Tendenziell gehen viele Experten davon aus, dass soziale Umstände, Prävention, Aufklärung und Jugendschutz wichtiger sind als die pauschale Annahme einer linearen „Drogenkarriere“. Zudem weisen epidemiologische Studien darauf hin, dass auch Alkohol eine vergleichbare oder mitunter stärkere Gateway-Funktion haben kann als Cannabis.
Anbau von Cannabis
Botanik
Cannabis wird in nahezu allen Teilen der Welt kultiviert, sei es im Freien (Outdoor) oder unter künstlichen Bedingungen (Indoor). Die Hanfpflanze ist zweihäusig – es gibt weibliche und männliche Exemplare. Für die Rauschmittel-Gewinnung sind fast ausschließlich die weiblichen Pflanzen relevant, da deren unbefruchtete Blüten die höchste Konzentration an Harz und THC aufweisen. Männliche Pflanzen produzieren dagegen nur pollenhaltige Blüten und werden meist entfernt, um eine Bestäubung der Weibchen zu verhindern (denn befruchtete weibliche Pflanzen stecken Energie in die Samenbildung statt in die Harzproduktion, was den THC-Gehalt der Blüten deutlich senkt).
In der Zucht wird traditionell zwischen Cannabis sativa (gewöhnlicher Faserhanf aus gemäßigtem Klima) und Cannabis indica (indischer Hanf aus Hochlandklima) unterschieden; manche Botaniker führen noch Cannabis ruderalis (robuste Wildform aus Zentralasien) als dritte Art an. Durch intensive Kreuzungen sind allerdings unzählige Hybridsorten entstanden, die Merkmale beider Haupttypen kombinieren. Ruderalis-Genetik wird genutzt, um automatisch blühende Sorten zu erzeugen (sog. Auto-Flowering-Strains), die unabhängig von der Tageslänge nach wenigen Wochen Blüten ausbilden. Moderne Zuchtsorten variieren stark in ihrem Gehalt an THC und CBD. So gibt es spezielle medizinische Sorten mit hohem CBD- und niedrigem THC-Gehalt (für milde Effekte), während für den Freizeitgebrauch auch extrem THC-reiche Sorten gezüchtet wurden. Seit den 1990er-Jahren ist eine stetige Steigerung der durchschnittlichen Potenz auf dem Cannabismarkt zu beobachten – bedingt durch Selektion, Optimierung von Anbaumethoden und technisches Know-how.
Anbaumethoden
Grundsätzlich lässt sich Cannabis im Freien (Outdoor) oder in Innenräumen (Indoor) anbauen. Outdoor-Anbau nutzt Sonnenlicht und natürliche Böden; die Pflanzen können bei genügend Platz mehrere Meter hoch wachsen. Vorteile sind geringe Kosten und Energieeinsparung, Nachteile sind die Abhängigkeit von Klima/Jahreszeiten und – in illegalen Kontexten – ein höheres Entdeckungsrisiko. In traditionellen Anbauländern (z. B. Marokko, Afghanistan, Pakistan, Libanon) wird Cannabis meist auf offenen Feldern kultiviert. Indoor-Anbau erfolgt in Gewächshäusern oder speziell ausgestatteten Räumen mit künstlicher Beleuchtung, Belüftung und Nährstoffversorgung. Diese Methode erlaubt ganzjährige Ernten, strikte Kontrolle über Qualität und Wirkstoffgehalt sowie Diskretion. In westlichen Ländern mit Cannabisverbot hat sich seit den 2000ern der private Indoor-Anbau verbreitet (z.B. in Kellern, auf Dachböden oder in sogenannten Grow-Boxen).
Herkunfts- und Anbauregionen: Traditionelle Produktion vs. regulierte Lieferketten
Cannabis wächst in geeigneten Klimazonen in vielen Regionen der Welt. Historisch sind jedoch einige Gebiete als Produktions- und Herkunftsräume besonders bekannt geworden – vor allem im Zusammenhang mit Cannabisharz (Haschisch) und dem internationalen Schwarzmarkt. In diesem Kontext werden häufig Regionen in Nordafrika sowie Teile Süd- und Zentralasiens genannt; dort haben Anbau und Verarbeitung teils eine lange Tradition und sind wirtschaftlich bedeutsam. Solche Herkunftsangaben beziehen sich in der Regel auf illegale oder informelle Märkte und lassen sich nicht automatisch auf andere Cannabisprodukte übertragen.
Für die Einordnung ist daher die Unterscheidung zwischen traditioneller/illegaler Produktion und regulierten Lieferketten entscheidend. Medizinisches Cannabis, das in Deutschland über Apotheken abgegeben wird, stammt typischerweise aus lizenzierten Produktionsbetrieben mit dokumentierter Lieferkette und pharmazeutischen Qualitätsanforderungen. Anbau, Verarbeitung und Prüfung erfolgen unter standardisierten Bedingungen, sodass Herkunft, Zusammensetzung und Qualität nachvollziehbar sind. Je nach Marktlage wird der medizinische Bedarf über regulierte Importe gedeckt; daneben existieren auch lizenzierte Produktions- und Importstrukturen in Europa und Deutschland.
Kurz gesagt: Wenn von „bekannten Anbauländern“ die Rede ist, sollte immer klar sein, welcher Markt gemeint ist. Für Apotheken-Cannabis ist nicht entscheidend, wo Cannabis traditionell illegal produziert wurde, sondern ob es aus einer kontrollierten, lizenzierten und rückverfolgbaren Herstellung stammt.
Rechtlicher Status & Legalisierung
Die rechtliche Situation von Cannabis ist international sehr unterschiedlich und befindet sich weiterhin im Wandel. Während einige Staaten Cannabis entkriminalisiert oder regulierte Modelle eingeführt haben, zeigen andere Länder nach liberaleren Phasen auch wieder eine Rückregulierung. Entwicklungen verlaufen daher nicht überall „in eine Richtung“, sondern sind stark von Gesundheitspolitik, Jugendschutz, Strafverfolgung und innenpolitischen Mehrheiten abhängig.
Als frühe Beispiele einer staatlich regulierten Freigabe gelten Uruguay (2013) und Kanada (2018). In den USA ist die Lage uneinheitlich: Mehrere Bundesstaaten erlauben Genusscannabis, während es auf Bundesebene weiterhin verboten bleibt.
In Europa existieren unterschiedliche Modelle. In den Niederlanden wird der Verkauf kleiner Mengen in Coffeeshops seit Jahrzehnten geduldet, obwohl Cannabis formal nicht vollständig legal ist. Malta (2021) führte als erster EU-Staat Regelungen ein, die Besitz kleiner Mengen und Eigenanbau unter Bedingungen erlauben; weitere Länder haben Reformen beschlossen oder diskutieren sie.
Deutschland vollzog 2024 eine Teil-Legalisierung: Für Volljährige ist der Besitz bis zu bestimmten Mengen straffrei, ebenso der Eigenanbau im begrenzten Umfang. Zusätzlich sind nichtkommerzielle Anbauvereinigungen („Cannabis-Social-Clubs“) unter gesetzlich definierten Voraussetzungen zulässig, die Cannabis an Mitglieder abgeben dürfen; ein regulärer Verkauf in Geschäften ist derzeit nicht vorgesehen. Welche Regeln im Detail gelten (z. B. Mengen, Konsumverbote in bestimmten Bereichen, Aufbewahrungspflichten und Sonderregeln für junge Erwachsene) ist gesetzlich konkret geregelt und sollte bei Unsicherheiten aktuell geprüft werden. Ausführliche Informationen hierzu finden sich auf der Unterseite Cannabis und Recht.
Auch außerhalb Europas ist die Entwicklung dynamisch: Thailand hatte Cannabis 2022 weitgehend entkriminalisiert, ist jedoch seit 2025/2026 wieder zu deutlich strengeren Regeln übergegangen, die den Erwerb stärker an medizinische Zwecke und Nachweise koppeln.
Bei der Neuregulierung stehen meist ähnliche Ziele im Mittelpunkt: Jugendschutz und Gesundheitsschutz, Eindämmung des Schwarzmarkts, Qualitätskontrolle sowie eine Entlastung von Justiz und Polizei. Welche Effekte Reformen langfristig haben, wird in vielen Ländern wissenschaftlich ausgewertet und politisch kontrovers diskutiert.
Cannabis-FAQ
Cannabis enthält verschiedene Wirkstoffe (Cannabinoide). THC ist vor allem für Rauschwirkungen und Beeinträchtigung verantwortlich, CBD wirkt nicht berauschend, kann aber Befinden und Körperwahrnehmung beeinflussen. Entscheidend ist immer das gesamte Inhaltsstoffprofil.
Inhalation setzt meist schnell ein und klingt eher früher ab. Orale Aufnahme (z. B. Edibles) wirkt verzögert und oft länger. Für das Risikoverständnis ist vor allem wichtig: schneller Wirkungseintritt vs. verzögerter Wirkungseintritt.
Wichtiger als Körpergewicht sind Konsumgewohnheit (Toleranz), Produktstärke, Stoffwechsel, Schlaf/Stress sowie Situation und Erwartung. Darum sind pauschale Wirkversprechen oder „Standardmengen“ unzuverlässig.
Häufig sind veränderte Wahrnehmung, Entspannung oder auch Unruhe; außerdem können Aufmerksamkeit, Reaktionsvermögen und Kurzzeitgedächtnis nachlassen. Wie stark das ausfällt, variiert je nach Person und Produkt.
Typisch sind trockener Mund, rote Augen, Herzklopfen, Schwindel, Übelkeit oder innere Unruhe. Viele Effekte sind vorübergehend, können aber unangenehm sein und die Alltagsfähigkeit einschränken.
Dabei kommt es zu einer ausgeprägten Stress-/Angstspitze mit Grübeln, Kontrollverlustgefühl oder körperlichen Alarmzeichen wie Herzrasen. Eine ruhige Umgebung, Reizreduktion, vertraute Begleitung und Zeit helfen häufig, bis es abklingt.
Ja, es gibt eine Cannabisgebrauchsstörung. Das Risiko steigt mit frühem Beginn, hoher Häufigkeit und hohen THC-Gehalten. Frühzeichen sind z. B. Kontrollverlust, Entzugssymptome oder dass Konsum andere Lebensbereiche verdrängt.
Cannabis kann Angst und depressive Symptome verstärken; bei entsprechender Vulnerabilität kann es psychotische Episoden begünstigen. Risikofaktoren sind u. a. sehr hoher THC-Anteil, Schlafmangel, Stress und Mischkonsum.
Akut verschlechtert es oft Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und Kurzzeitgedächtnis. Bei häufigem Konsum sind anhaltende Effekte möglich, besonders wenn sehr früh begonnen wurde.
Ja. Es gibt Hinweise auf Risiken für die Entwicklung des Kindes, zudem sind Produktstärke und Zusammensetzung schwer kontrollierbar. In dieser Phase ist Verzicht die risikoärmste Option.
Alkohol und THC können sich gegenseitig verstärken: mehr Schwindel, Übelkeit, Unruhe und deutlich schlechtere Entscheidungen. Viele unterschätzen die kombinierte Beeinträchtigung.
Synthetische Cannabinoide sind eine eigene Risikoklasse: Wirkung und Nebenwirkungen sind schwer vorhersehbar, Vergiftungen kommen vor. Hier gilt: besonders hohes Risiko – vermeiden.
Bei Ohnmacht, Brustschmerz, starken Kreislaufproblemen, anhaltendem Erbrechen, Verwirrtheit, schweren Panikzuständen oder Selbstgefährdung sollte medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Im Zweifel lieber früh abklären lassen.
Trocken, dunkel, luftdicht und außerhalb von Kinderzugriff. Zu viel Wärme/Licht beschleunigt Abbauprozesse, falsche Lagerung kann die Hygiene beeinträchtigen (z. B. Schimmelrisiko).
Unter ungünstigen Bedingungen können Spuren möglich sein, verlässlich vorhersagen lässt sich das jedoch nicht. Entscheidend sind Umgebung, Dauer und Intensität der Exposition.
Nachweisbarkeit hängt stark von Konsumhäufigkeit, Produktstärke, Stoffwechsel und Testmethode ab. Blut, Urin und Speichel messen Unterschiedliches und sind nicht direkt vergleichbar.
Die Rechtslage unterscheidet Besitz, Anbau, Weitergabe und Konsumorte. Wichtig ist: „legal“ bedeutet nicht „überall erlaubt“, und es gelten Grenzen und Vorgaben, die sich zudem ändern können. Weitere Informationen siehe Cannabis und Recht.
Verantwortungsvolles Konsumieren – die fünf wichtigsten Prinzipien
- Niedrig dosieren, langsam steigern.
- Nicht mischen (insb. kein Tabak/Alkohol/andere Drogen).
- Rauch vermeiden → Vaporizer nutzen, moderat temperiert.
- Pausen & Selbstbeobachtung (T-Breaks; Alltag im Blick behalten).
- Recht und Sicherheit beachten (Fahren, Club-Regeln, Aufbewahrung).
Quellen:
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