Terpene in Cannabis – verständlich erklärt

Stand: 01.2026

Terpene sind Kohlenwasserstoffe, aufgebaut aus Isopren-Bausteinen. Pflanzen nutzen sie als Duft- und Abwehrstoffe oder zur Anlockung von Bestäubern. In Cannabis sind > 100 Terpene nachgewiesen. Welche dominieren, hängt u. a. von Genetik, Anbau, Ernte, Trocknung und Lagerung ab.

Terpenoide: die „Verwandten“

Zur gleichen Stofffamilie zählen Terpenoidesauerstoffhaltige Abkömmlinge der Terpene.

Bekannte Terpene und Alltagsassoziationen

  • Myrcen: erdig, leicht süßlich – erinnert an Mango/Hopfen
  • Limonen: frische Zitrusschale
  • Pinen (α/β): Kiefer/Wald
  • β-Caryophyllen: würzig/pfeffrig

Merke: Assoziationen helfen bei der Einordnung, ersetzen aber nie den Blick ins COA.

„Skunk/Gas“ ist oft kein Terpen

Das stark „gasige“/„skunkige“ Aroma stammt häufig von flüchtigen Schwefelverbindungen (VSCs)nicht von Terpenen. Eine Blüte kann daher „gasig“ riechen, ohne außergewöhnlich hohe Terpen-Summenwerte zu haben.

Entourage-Effekt – nüchtern betrachtet

Terpene machen nicht „high“ wie THC, können aber die Wahrnehmung modulieren. Zusammenspiele gelten als plausibel; Ausmaß und Mechanismen werden weiter erforscht.

Vaporizer-Praxis: sinnvolle Temperaturbereiche

Starre „Siedepunkt“-Tabellen greifen zu kurz. Entscheidend sind Dampfdrucke, die Matrix (Blüte/Extrakt) und die Geräteeinstellungen. In der Praxis bewährt sich ca. 160–210 °C:
niedriger → frischer/zitroniger; höher → erdiger/würziger. > 230 °C vermeiden (unerwünschte Nebenprodukte).

Wie viel Terpene stecken in Blüten?

Die Summe der Hauptterpene liegt oft bei ≈ 0,5–2,5 % (selten darunter oder darüber). Sehr niedrige Werte wirken sensorisch flach; sehr hohe können reizend wahrgenommen werden.

COA lesen – worauf es ankommt

  • Matrix & Methode: Terpene meist GC-MS/GC-FID, Cannabinoide oft HPLC
  • Basics: Charge, Testdatum, LOD/LOQ, Summenwerte
  • Frischeindikator: Caryophyllen-Oxid steigt bei Oxidation/Lagerfehlern

Richtig lagern: Aroma und Qualität schützen

  • Behälter: luftdicht, lichtgeschützt (Braunglas/Mehrschichtbeutel)
  • Leeraum: so klein wie möglich halten
  • Temperatur: < 20 °C, > 30 °C vermeiden
  • Handling: selten öffnen, zügig entnehmen, sofort verschließen
  • Tiefkühlung: nur bei hermetisch versiegelten Behältern und kondensationsfreiem Auftauen – sonst Qualitätsrisiko

Terpen-Übersicht (kompakt)

GruppeTypische VertreterHäufige AssoziationenPraxis-Hinweis
MonoterpeneMyrcen, Limonen, α/β-Pinen, Linaloolfruchtig, zitrisch, waldig, blumigflüchtiger → bei Lagerfehlern schneller Verlust
Sesquiterpeneβ-Caryophyllen, Humulen, Nerolidolwürzig, hopfig, holzigetwas stabiler → oft „erdige“ Tiefe
Terpenoide (O-haltig)Linalool, Terpineol, Menthol, 1,8-Cineolblumig, kräuterig, minzig, eukalyptusartigentstehen u. a. durch Oxidation/Enzymatik

Hinweis: Tabelle = Orientierung. Verbindlich ist das COA der Charge.


FAQ: Terpene in Cannabis

Was sind Terpene in Cannabis?

Flüchtige Kohlenwasserstoffe aus Isoprenbausteinen, die Geruch und Geschmack prägen und die subjektive Wahrnehmung mitbeeinflussen.

Was ist der Unterschied zwischen Terpenen und Terpenoiden?

Terpene sind reine Kohlenwasserstoffe; Terpenoide sind deren sauerstoffhaltige Abkömmlinge (z. B. Linalool, Terpineol, Menthol).

Welche Terpene kommen besonders häufig vor?

Myrcen, Limonen, α/β-Pinen, Linalool, β-Caryophyllen, Humulen. Sie decken fruchtige, zitrische, waldige, blumige und würzige Noten ab.

Sind „Skunk“/„Gas“-Aromen Terpene?

Oft nein. Häufig stammen sie von flüchtigen Schwefelverbindungen (VSCs), die nicht zu den Terpenen gehören.

Machen Terpene „high“?

Nein. Terpene sind nicht psychotrop wie THC; sie können die Wahrnehmung und Sensorik modulieren (Entourage-Effekt).

Was bedeutet Entourage-Effekt konkret?

Plausible Interaktionen zwischen Cannabinoiden, Terpenen und weiteren Pflanzeninhalten; Ausmaß und Mechanismen werden weiter erforscht. Terpene ergänzen, ersetzen aber keine Cannabinoide.

Welche Terpenmengen sind in Blüten üblich?

Typisch etwa 0,5–2,5 %. Sehr niedrige Werte wirken sensorisch flach; sehr hohe können reizend sein.

Wie lese ich Terpendaten im COA?

Auf Charge/Los, Testdatum, Methode (GC-MS/GC-FID), LOD/LOQ und Summenwerte achten. Nur das COA der gekauften Charge verwenden.

Welche Vaporizer-Temperatur ist sinnvoll?

Praxisbereich etwa 160–210 °C. Niedriger wirkt frischer/zitroniger, höher erdiger/würziger. Über 220 °C vermeiden (unerwünschte Nebenprodukte).

Wie schütze ich das Terpenprofil bei der Lagerung?

Luftdicht, lichtgeschützt, kühl (< 20 °C) und mit wenig Kopfraum lagern. Selten öffnen, zügig entnehmen, sofort verschließen.

Kann Einfrieren sinnvoll sein?

Nur mit hermetisch versiegelten Behältern und kondensationsfreiem Auftauen. Sonst drohen Aromaverlust und Feuchteschäden.

Warum gilt Caryophyllen-Oxid als Frischeindikator?

Es entsteht durch Oxidation von β-Caryophyllen; höhere Werte können auf Alterung oder Lagerfehler hinweisen.

Sind hohe Terpenwerte immer „besser“?

Nicht zwingend. Zu hohe Konzentrationen können reizend wirken; entscheidend sind Balance und persönliche Präferenz.

Gibt es Allergien oder Unverträglichkeiten?

Ja, empfindliche Personen können auf einzelne Terpene reagieren (z. B. Haut- oder Atemwegsreizung). Bei Beschwerden Nutzung beenden und ärztlich abklären lassen.

Spielen Terpene bei Edibles eine Rolle?

Teilweise. Herstellung und Erhitzung können Profile verändern; die Wirkung bestimmt primär die Cannabinoid-Dosis.

Unterschied „live“ (fresh frozen) vs. „cured“-Extrakte?

Live konserviert frische, hellere Terpenprofile; cured tendiert zu reiferen, würzigeren Noten. Beides ist stilabhängig.

Verändert Decarboxylierung Terpene?

Ja. Erhitzen kann flüchtige Monoterpene reduzieren; schonende Prozesse und passende Temperaturen begrenzen Verluste.

Können zwei Chargen mit gleichem Namen unterschiedlich riechen?

Ja. Genetik, Anbau, Ernte, Trocknung und Lagerung beeinflussen das Profil; Namen sind kein Garant – COA je Charge prüfen.

Sind „COA-freie“ Dufttests ausreichend?

Nein. Sensorik kann Hinweise geben, ersetzt aber keine geprüften Laborwerte einer konkreten Charge.

Fazit

Terpene liefern wertvolle Orientierung beim Sortenvergleich und prägen das sensorische Erlebnis. Für fundierte Entscheidungen zählt der chargenspezifische COA. Mit passender Vaporizer-Einstellung und guter Lagerung bleibt das Terpenprofil bestmöglich erhalten.

Quellen

  1. BfArM – Cannabis: Informationen für Patientinnen, Patienten und Ärztinnen/Ärzte – bfarm.de
  2. Bundesministerium für Gesundheit (BMG) – Cannabis in der Medizin – bundesgesundheitsministerium.de
  3. AWMF – Leitlinie: Cannabis bei chronischen Schmerzen – awmf.org
  4. IUPAC Gold Book – Terpene; Terpenoids (Definitionen) – goldbook.iupac.org
  5. Clarke, R. C.; Merlin, M. D. – Cannabis: Evolution and Ethnobotany – University of California Press, 2013 – ucpress.edu/book/9780520270480/cannabis
  6. Fischedick, J. T. – Cannabis Terpenes and Chemotypes – Phytochemistry Reviews, 2015 – doi.org/10.1007/s11101-015-9416-1
  7. Elzinga, S.; Fischedick, J.; Podkolinski, R.; Raber, J. C. – Cannabis Terpene Diversity and Analysis – Analytical and Bioanalytical Chemistry, 2015 – doi.org/10.1007/s00216-015-8684-4
  8. Russo, E. B. – Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects – British Journal of Pharmacology, 2011 – doi.org/10.1111/j.1476-5381.2011.01238.x