Stand: 02.2026
THC-Speicheltests sind Screening-Tests: Sie geben einen schnellen Hinweis, ob THC im Mundraum nachweisbar ist. Anders als beim Urintest geht es dabei nicht um Abbauprodukte, sondern um THC selbst.
Auf dieser Seite erfährst du:
- wo der Test „ansetzt“ (Mundraum statt Stoffwechsel),
- wie die Probe typischerweise entnommen wird,
- warum das Ergebnis als ja/nein erscheint,
- wodurch Speicheltests besonders fehleranfällig sein können.
➡️ Wenn du wissen willst, wie ein THC-Urintest funktioniert (anderes Messziel, anderes Interpretationsproblem), findest du die technische Erklärung hier: THC-Urintest: Funktionsweise.
Was wird beim Speicheltest überhaupt nachgewiesen?
Ein Speicheltest zielt auf THC-Rückstände, die im Mundraum vorhanden sind – zum Beispiel an Schleimhäuten, Speichel oder im Bereich der Zunge/Wange.
Das ist wichtig für die Einordnung:
- Der Test sagt nichts darüber aus, ob gerade eine Wirkung vorliegt.
- Er zeigt nur: THC ist im Mundraum nachweisbar (Rückstand/Nachweisziel).
- Der Zusammenhang zur „aktuellen Beeinflussung“ ist begrenzter, als viele vermuten.
Probenentnahme: Warum Wischtests so empfindlich sind
Bei Speicheltests wird oft keine „normale“ Flüssigkeitsprobe abgegeben wie beim Urin. Stattdessen wird häufig:
- mit einem Wischpad im Mundraum (z. B. Wange/unter der Zunge) gearbeitet oder
- eine sehr kleine Menge Mundflüssigkeit über ein Aufnahmemedium gesammelt.
Konsequenz: Die Probe ist stärker von der Mundumgebung abhängig. Genau deshalb können schon kleine Dinge das Ergebnis beeinflussen, z. B. Essen/Trinken, Mundtrockenheit oder Mundhygiene (mehr dazu unten).
Was passiert danach im Test – ohne Labor, ohne Zahlen
Die meisten Schnelltests arbeiten mit einem Immunoassay, der eine Reaktion sichtbar macht (typisch über Linien). Technisch gesprochen ist das oft ein Lateral-Flow-Test – aber entscheidend ist nicht der Name, sondern die Logik:
- Probe wandert im Test
Die Flüssigkeit läuft durch das Testmaterial (Kapillareffekt). - Bindung an „Fänger“ (Antikörper-System)
Im Test sind Bindungspartner eingebaut, die THC „erkennen“ sollen. - Anzeige über Linien + Kontrollbereich
Am Ende siehst du:
- eine Kontrolllinie (Test ist korrekt gelaufen),
- eine Testanzeige (abhängig davon, ob die interne Schwelle überschritten wird).
Warum das Ergebnis oft „umgekehrt“ wirkt
Viele Speicheltests sind so aufgebaut, dass die Anzeige nicht intuitiv ist: Je nach Testdesign kann es passieren, dass eine fehlende Linie als Hinweis auf „positiv“ gelesen werden muss.
Merksatz:
- Kontrolllinie = Test lief korrekt
- Testanzeige = hängt davon ab, ob die interne Schwelle überschritten wird
➡️ Je nach Hersteller kann die Linienlogik abweichen – lies immer die Herstelleranleitung.
Warum Speicheltests keine Konzentrationen ausgeben
Ein Schnelltest ist kein Messgerät wie ein Laborverfahren. Er prüft im Kern nur:
„Liegt THC oberhalb einer fest eingebauten Schwelle – ja oder nein?“
Darum bekommst du:
- keinen Zahlenwert
- keine genaue Menge
- keine zeitliche Einordnung
Typische Fehlerquellen bei THC-Speicheltests
Speicheltests reagieren stärker auf Randbedingungen als viele andere Probenarten. Häufige Einflussfaktoren sind:
- Essen/Trinken kurz vor der Probe (Reste im Mundraum)
- Mundtrockenheit (zu wenig Probe / schlechter Transport im Test)
- Mundhygiene (Spülen, Zähneputzen, Sprays)
- Zeitpunkt der Entnahme (sehr nah am Kontakt kann Rückstände begünstigen)
- Anwendung/Handhabung (zu kurz gewischt, falsche Lagerung, abgelaufen)
➡️ Wenn du wissen willst, warum Schnelltests generell Grenzen haben, lies auch THC-Schnelltest: Aussagekraft & Grenzen.
Was ein Speicheltest nicht beantworten kann
Ein THC-Speicheltest kann nicht zuverlässig beantworten:
- ob du fahrfähig bist
- wann genau der Konsum war
- wie hoch eine Konzentration ist
- ob eine „Wirkung“ sicher vorliegt
Er zeigt nur: THC ist im Mundraum nachweisbar – mehr nicht.
Einordnung
Speicheltests sind praktische Screening-Werkzeuge, aber sie sind kein Beweisverfahren und liefern keine Messwerte. Wer versteht, wo der Test misst (Mundraum) und wie er ausgibt (Schwelle/ja-nein), kann Ergebnisse realistischer einordnen.
Methodischer Hinweis:
Die Beschreibung orientiert sich an gängigen toxikologischen Testprinzipien von Lateral-Flow-Immunoassays und dient der technischen Erklärung des Verfahrens. Sie ersetzt keine individuelle Bewertung konkreter Testergebnisse.
Diese Seite ist Teil der Übersicht zu Testverfahren bei Cannabis & THC, in der weitere Testarten und methodische Grundlagen erläutert werden.
Quellen
- EMCDDA (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction)
Drug testing: biological specimens and screening methods – Überblick zu Speicheltests, Screening-Verfahren und methodischen Grenzen. - WHO (World Health Organization)
Guidance-Dokumente zu biological specimen testing und Screening-Verfahren (Speichel/Mundflüssigkeit). - Fachliteratur zu Lateral-Flow-Immunoassays
Übersichtsarbeiten zum kompetitiven Immunoassay-Prinzip bei Schnelltests. - Toxikologische Übersichtsarbeiten zu Cannabinoid-Tests
Grundlagen zur Detektion von THC in Mundflüssigkeit und Abgrenzung zu Urin- und Blutanalysen.

