THC-Abbau – wissenschaftlicher Hintergrund, Nachweiszeiten und Einflussfaktoren

Stand: 01.2026

Der Abbau von THC im menschlichen Körper unterliegt komplexen pharmakokinetischen Prozessen. Nachweiszeiten und Messergebnisse können je nach Konsummuster, Aufnahmeform und individuellen Faktoren erheblich variieren. Diese Seite beleuchtet den THC-Abbau aus wissenschaftlicher Perspektive. Eine allgemein verständliche Übersicht mit praktischer Einordnung bietet unsere Seite THC-Abbau – wie lange bleibt THC im Körper?

Typische Nachweiszeiten von THC

Die Nachweisbarkeit von THC und seiner Abbauprodukte hängt von Konsumhäufigkeit, Dosis, Aufnahmemethode und Testart ab. Die folgenden Angaben basieren auf typischen pharmakokinetischen Mittelwerten:

Einmaliger Konsum

  • Urin: 1–4 Tage
  • Blut: wenige Stunden bis 1 Tag
  • Speichel: bis 24 Stunden
  • Haare: mehrere Wochen

Gelegentlicher Konsum (mehrmals pro Woche)

  • Urin: 5–14 Tage
  • Blut: 1–3 Tage
  • Speichel: bis 72 Stunden
  • Haare: bis 90 Tage

Regelmäßiger Konsum (täglich)

  • Urin: 30–70 Tage
  • Blut: 7–30 Tage
  • Speichel: 3–7 Tage
  • Haare: viele Monate

Diese Werte stellen Richtgrößen dar. Der tatsächliche THC-Abbau kann individuell stark abweichen.

Einflussfaktoren auf den THC-Abbau

Der menschliche Körper baut THC sehr unterschiedlich ab. Zu den wichtigsten Einflussgrößen zählen:

  • Konsumhäufigkeit und Dosis: Häufiger Konsum führt zu einer stärkeren Einlagerung im Fettgewebe.
  • Art der Aufnahme: Orale Aufnahme verzögert den Wirkungseintritt und verlängert die Wirkdauer (First-Pass-Effekt).
  • Körperzusammensetzung: Ein höherer Körperfettanteil verlängert die Eliminationszeit.
  • Hydration und Bewegung: Unterstützen den Stoffwechsel, beschleunigen den Abbau jedoch nur geringfügig.
  • Gesundheitszustand und Medikamente: Lebererkrankungen und bestimmte Wirkstoffe können den Abbau verzögern.
  • Testmethode: Urin- und Haaranalysen weisen THC-Abbauprodukte deutlich länger nach als Bluttests.

THC-COOH – Bedeutung für Drogentests

THC-COOH ist ein inaktiver Metabolit von THC, der insbesondere im Urin lange nachweisbar bleibt. Für die akute Beurteilung der Fahrtüchtigkeit ist hingegen aktives THC im Blut entscheidend.

Aufnahmeformen und Bioverfügbarkeit

Die Bioverfügbarkeit von THC unterscheidet sich je nach Konsumform deutlich:

  • Rauchen: Verluste durch Verbrennung und Nebenstrom.
  • Vaporisieren: Häufig effizientere Aufnahme ohne Verbrennung.
  • Orale Einnahme: Verzögerter Wirkungseintritt, längere Wirkdauer und größere Streuung durch den First-Pass-Effekt.

Grenzen von Detox-Methoden

Produkte oder Maßnahmen, die einen beschleunigten THC-Abbau versprechen, sind wissenschaftlich nicht belegt. Der Körper benötigt Zeit, um THC und seine Metaboliten auszuschleusen. Eine gesunde Lebensweise kann den Stoffwechsel unterstützen, ersetzt jedoch keine ausreichende Abstinenzphase.

Wissenschaftliche Grundlagen & Quellen zum THC-Abbau

Der THC-Abbau-Rechner von Cannastreet basiert auf veröffentlichten pharmakokinetischen Daten zu Tetrahydrocannabinol (THC) und seinen Metaboliten. Das zugrundeliegende Modell berücksichtigt eine zweiphasige Eliminationskinetik (rasche Verteilungsphase, gefolgt von einer langsamen terminalen Eliminationsphase), typische Verteilungsvolumina im Fettgewebe sowie gesetzliche Richtwerte nach deutschem Recht (KCanG).

Die Parameter und Annahmen wurden aus folgenden anerkannten Fachquellen abgeleitet oder anhand dieser validiert:


Primärliteratur (Pharmakokinetik & Metabolismus)

Huestis, M. A. (2007).
Human Cannabinoid Pharmacokinetics.
Chemical Biodiversity, 4(8), 1770–1804.
→ Standardreferenz zur Kinetik, Plasmahalbwertszeit und interindividuellen Variabilität von THC.

Toennes, S. W., Ramaekers, J. G., Theunissen, E. L., Moeller, M. R., & Kauert, G. F. (2008).
Comparison of THC serum levels after cannabis use in habitual and occasional smokers.
Journal of Analytical Toxicology, 32(7), 469–477.
→ Grundlage für Unterschiede zwischen Gelegenheits- und Dauerkonsumierenden (Depot-Effekt).

Schwilke, E. W., Schwope, D. M., Karschner, E. L., Lowe, R. H., Darwin, W. D., Kelly, D. L., & Huestis, M. A. (2011).
Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), 11-Hydroxy-THC, and 11-Nor-9-Carboxy-THC plasma pharmacokinetics during and after continuous high-dose oral THC administration.
Clinical Chemistry, 57(1), 66–75.
→ Kalibrierung der terminalen Eliminationsphase bei oraler Aufnahme.

Huestis, M. A., & Cone, E. J. (1998).
Differential model of cannabinoid blood and urine concentrations after controlled smoking of marijuana.
Journal of Analytical Toxicology, 22(6), 445–453.
→ Modellbasis für Blut- vs. Urinkonzentrationen und Metabolitenprofile.

Grotenhermen, F. (2003).
Pharmacokinetics and pharmacodynamics of cannabinoids.
Clinical Pharmacokinetics, 42(4), 327–360.
→ Deutschsprachige Referenz zu Aufnahme, Metabolisierung und Wirkdauer von THC.


Gesetzliche und forensische Referenzen (Deutschland)

Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). (2024).
Neuer Grenzwert für THC im Straßenverkehr – Gutachten zur wissenschaftlichen Ableitung des 3,5-ng/ml-Schwellenwertes.
BASt, Bergisch Gladbach.
→ Wissenschaftliche Grundlage des aktuellen gesetzlichen Grenzwerts im Blutserum.

Konsumcannabisgesetz (KCanG).
Bundesgesetzblatt Teil I Nr. 108 vom 1. April 2024.
→ Gesetzlicher Rahmen für Besitz, Eigenanbau und verkehrsrechtliche Bewertung.

Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM). (2024).
Empfehlungen zu THC-Nachweiszeiten und Fahrtüchtigkeit.
→ Ergänzende Richtlinien zur forensisch-toxikologischen Bewertung.


Sekundärliteratur & Reviews

Hartman, R. L., & Huestis, M. A. (2013).
Cannabis effects on driving skills.
Clinical Chemistry, 59(3), 478–492.
→ Zusammenhang zwischen THC-Restkonzentrationen und verkehrsrelevanten Leistungseinbußen.

Agurell, S., Halldin, M., Lindgren, J. E., Ohlsson, A., Widman, M., Gillespie, H., & Hollister, L. E. (1986).
Pharmacokinetics and metabolism of delta-9-tetrahydrocannabinol and other cannabinoids with emphasis on man.
Pharmacological Reviews, 38(1), 21–43.
→ Frühere, bis heute relevante Basisdaten zur Resorption, Verteilung und Elimination.