THC-Abbau im Blut – wie lange ist THC nachweisbar?

Stand: 01.2026

Der Abbau von THC im Blut ist einer der am häufigsten missverstandenen Aspekte beim Cannabiskonsum. Viele gehen davon aus, dass THC nach wenigen Stunden vollständig aus dem Körper verschwindet – tatsächlich kann der Wirkstoff deutlich länger im Blut nachweisbar sein, selbst wenn keine spürbare Wirkung mehr besteht.

Diese Seite erklärt ausschließlich die biologische Nachweisbarkeit von THC im Blut: wie THC in den Blutkreislauf gelangt, welche Faktoren den Abbau beeinflussen und warum Blutwerte stark variieren können. Rechtliche Bewertungen oder Grenzwerte sind nicht Gegenstand dieser Seite.

Wie gelangt THC ins Blut?

Nach dem Konsum von Cannabis gelangt der psychoaktive Wirkstoff Δ9-THC über die Lunge (beim Rauchen/Verdampfen) oder den Verdauungstrakt (bei Edibles) in den Blutkreislauf.

  • Beim Inhalieren steigt die THC-Konzentration im Blut zügig an
  • Bei oraler Aufnahme verzögert sich der Anstieg, hält dafür oft länger an

Sobald THC im Blut zirkuliert, beginnt der Körper mit dem Abbau – hauptsächlich über die Leber.


THC-Abbau im Blut: was passiert im Körper?

THC ist fettlöslich. Das bedeutet:

  • Ein Teil bleibt kurzfristig im Blut
  • Ein großer Teil wird im Fettgewebe gespeichert
  • Von dort wird THC nach und nach wieder freigesetzt

In der Leber wird THC zu verschiedenen Abbauprodukten verstoffwechselt, insbesondere zu THC-COOH, das später vor allem im Urin nachgewiesen wird.

👉 Wichtig:
Das Blut zeigt vor allem den aktuellen oder kürzlich erfolgten Konsum, nicht die tatsächliche Beeinträchtigung.


Wie lange ist THC im Blut nachweisbar?

Die Nachweisbarkeit von THC im Blut hängt stark von individuellen Faktoren ab. Typische Orientierungsbereiche sind:

  • Einmaliger oder seltener Konsum:
    THC kann für einige Stunden bis etwa 1–2 Tage im Blut nachweisbar sein.
  • Gelegentlicher Konsum:
    Nachweisbarkeit kann sich auf mehrere Tage ausdehnen.
  • Regelmäßiger oder täglicher Konsum:
    THC kann über mehrere Tage bis Wochen in niedrigen Konzentrationen nachweisbar bleiben.

Diese Zeiträume sind keine Garantien. Sie dienen ausschließlich der biologischen Einordnung.


Warum Blutwerte so stark schwanken

Selbst bei gleicher Konsummenge können Blutwerte stark variieren. Einflussfaktoren sind unter anderem:

  • Konsumhäufigkeit und -dauer
  • THC-Gehalt des konsumierten Produkts
  • Körperfettanteil
  • Stoffwechselrate
  • Zeitpunkt der Blutentnahme
  • Aufnahmeform (Inhalation vs. oral)

Deshalb sind pauschale Aussagen wie

„Nach X Stunden ist THC aus dem Blut raus“
wissenschaftlich nicht haltbar.


Blut, Serum oder Vollblut – wo liegt der Unterschied?

In Untersuchungen wird häufig Blutserum oder Vollblut analysiert.

  • Serumwerte sind in der Regel höher als Vollblutwerte
  • Ergebnisse sind nicht 1:1 vergleichbar
  • Referenzwerte hängen vom Messverfahren ab

Das erklärt, warum Studien und Angaben zur Nachweisbarkeit teils stark voneinander abweichen.


Nachweisbarkeit ≠ Wirkung

Ein zentraler Punkt beim THC-Abbau im Blut:

Die messbare THC-Konzentration sagt nichts darüber aus, ob eine Person aktuell berauscht oder beeinträchtigt ist.

THC kann noch im Blut vorhanden sein, obwohl:

  • keine subjektive Wirkung mehr wahrgenommen wird
  • keine akute Beeinträchtigung besteht

Dieser Unterschied ist entscheidend für das Verständnis der biologischen Nachweisbarkeit.


Einordnung & Weiterführendes

Diese Seite beschreibt ausschließlich den biologischen THC-Abbau im Blut.

  • Weitere Informationen zur rechtlichen Bedeutung von Bluttests im Straßenverkehr findest du in unserem Bereich Cannabis & Recht.

Quellen

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Are blood and oral fluid Δ9-THC concentrations good indicators of impairment?
Neuroscience & Biobehavioral Reviews.
→ Wissenschaftliche Bewertung der Aussagekraft von THC-Blutwerten im Verhältnis zur tatsächlichen Beeinträchtigung.

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DOI: 10.1002/cbdv.200790152
→ Grundlagen zur Aufnahme, Verteilung, Metabolisierung und Eliminierung von THC im Blut.

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DOI: 10.2165/00003088-200342040-00003
→ Überblick zu Pharmakokinetik und -dynamik von Cannabinoiden, inklusive Einfluss der Konsumform.

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→ Unterschiede zwischen Vollblut-, Plasma- und Serumwerten bei THC und Metaboliten.

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PMID: 11728742
→ Umrechnungsverhältnisse zwischen Serum/Plasma und Vollblut.

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→ Zusammenfassung der pharmakokinetischen Eigenschaften von THC, insbesondere Fettlöslichkeit und interindividuelle Unterschiede.

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DOI: 10.1002/dta.3110
→ Laborbasierte Einordnung der Nachweisbarkeit von THC in Serumproben.