PAX – vom Stanford-Projekt zum Milliardenunternehmen für Cannabis-Technologie

Die Geschichte von PAX ist ungewöhnlicher als die vieler anderer Vaporizer-Hersteller. Das Unternehmen begann nicht als Cannabis-Marke, arbeitete zeitweise mit einem der größten Tabakkonzerne der Welt zusammen, entwickelte die spätere E-Zigarettenmarke JUUL und wurde während des nordamerikanischen Cannabisbooms mit 1,7 Milliarden US-Dollar bewertet. Der tragbare Kräuterverdampfer, für den PAX heute vor allem in Europa bekannt ist, war ursprünglich nur eines von mehreren Projekten eines kalifornischen Hardware-Start-ups.

Die Anfänge liegen an der Stanford University. James Monsees und Adam Bowen beschäftigten sich während ihres Produktdesign-Studiums mit neuen Formen des Rauchens und gründeten 2007 daraus das Unternehmen Ploom. Die ersten Produkte arbeiteten mit vorgefüllten Tabakkapseln – ein völlig anderes Konzept als der spätere PAX. 2011 beteiligte sich Japan Tobacco International an Ploom.

PAX im Kurzprofil

Gründung: 2007 als Ploom
Gründer: James Monsees und Adam Bowen
Ursprung: Stanford University, Kalifornien
Erster PAX: 2012
Umbenennung in PAX Labs: 2015
JUUL-Abspaltung: 2017
Unternehmensbewertung 2019: 1,7 Milliarden US-Dollar
Aktuelle Dry-Herb-Reihe: MINI, FLOW und FOUR

Ein 250-Dollar-Vaporizer wird zum unerwarteten Erfolg

2012 brachte Ploom den ersten PAX auf den Markt. Das Gerät kostete damals rund 250 US-Dollar – für einen tragbaren Vaporizer eine stattliche Summe. Technisch arbeitete er mit einer Edelstahlkammer am unteren Ende des Gehäuses, drei Temperaturstufen, Bewegungssensor und einem herausziehbaren Mundstück. Durch Schütteln ließ sich sogar der Akkustand anzeigen.

Entscheidend war jedoch, dass PAX in eine Marktlücke traf. Leistungsfähige Vaporizer waren damals häufig größere Desktopgeräte; mobile Modelle existierten zwar, waren aber oft sperriger oder erklärungsbedürftiger. Das Technikmagazin Wired zog 2012 deshalb den Vergleich zum iPod: nicht weil PAX die zugrunde liegende Technologie erfunden hätte, sondern weil das Gerät eine bereits vorhandene Technik erheblich zugänglicher machte.

Der erste PAX war dabei keineswegs perfekt. Das ausklappbare Mundstück konnte durch Ablagerungen schwergängig werden, und die Konduktionsheizung verlangte eine relativ sorgfältige Befüllung. Gerade solche Schwächen erklären, weshalb der PAX 2 mehr war als eine äußerliche Modellpflege.

PAX 2: kleiner – und technisch sinnvoller

Der PAX 2 erschien 2015. Nach damaligen Herstellerangaben war er rund 25 Prozent kleiner als sein Vorgänger und bot bis zu 30 Prozent längere Nutzungszeit. Noch wichtiger war eine konstruktive Änderung: Das mechanisch ausfahrende Mundstück des ersten Modells verschwand.

Dazu kam eine sogenannte Lip-Sensing-Technik. Das Gerät erkannte den Kontakt am Mundstück und konnte seine Heizleistung entsprechend anpassen.

PAX beseitigte damit einige konkrete Schwachpunkte des ersten Modells, statt lediglich das Gehäuse zu verändern. Der PAX 2 blieb anschließend über Jahre auf dem Markt und entwickelte sich zu einem der langlebigsten Geräte der Produktfamilie.

Im selben Jahr fand hinter den Kulissen eine wesentlich größere Veränderung statt.

2015 endet Ploom – und PAX wird zum Firmennamen

Japan Tobacco International hatte seit 2011 einen Minderheitsanteil an Ploom gehalten. 2015 trennten sich die Unternehmen.

JTI übernahm die Ploom-Marke, das ModelTwo und das dazugehörige Geschäft, während Ploom den Anteil von JTI am Unternehmen zurückkaufte und den erfolgreichen PAX-Vaporizer behielt. Anschließend benannte sich das Unternehmen in PAX Labs um.

Damit wurde ausgerechnet der Name eines einzelnen Vaporizers zum Namen des gesamten Unternehmens, während das ursprüngliche Geschäft mit Tabakprodukten abgegeben wurde.

Zu diesem Zeitpunkt hatte PAX Labs allerdings bereits ein weiteres Produkt entwickelt, das die Unternehmensgeschichte noch wesentlich stärker verändern sollte.

JUUL entsteht bei PAX Labs

Im Juni 2015 erschien die JUUL-E-Zigarette. Entwickelt worden war sie von derselben Firma und unter maßgeblicher Beteiligung derselben Gründer.

JUUL wuchs innerhalb kurzer Zeit außerordentlich schnell. Damit befanden sich plötzlich zwei sehr unterschiedliche Geschäftsbereiche unter einem Dach: auf der einen Seite Vaporizer für Cannabis und Kräuter, auf der anderen ein rasch wachsendes Nikotinprodukt mit völlig anderen Märkten und regulatorischen Risiken.

2017 erfolgte die Trennung. Das damalige Unternehmen wurde rechtlich zu Juul Labs, während das PAX-Geschäft in eine eigenständige PAX Labs ausgegliedert wurde.

Der Einschnitt war erheblich. Nach damaligen Medienberichten wechselten die beiden Gründer und rund 160 Designer und Ingenieure zu JUUL, während bei PAX zunächst nur etwa 32 Beschäftigte verblieben.

PAX musste sich damit praktisch neu aufstellen.

PAX 3 und ERA: aus einem Vaporizer wird ein System

Noch vor der vollständigen Trennung erschien 2016 der PAX 3. Er brachte unter anderem schnelleres Aufheizen, Vibrationsfeedback und – mit entsprechendem Einsatz – die Möglichkeit zur Nutzung von Konzentraten.

Gleichzeitig führte das Unternehmen die PAX ERA ein, ein geschlossenes System für vorgefüllte Cannabisöl-Pods.

Damit entstanden zwei unterschiedliche Produktlinien: Der klassische PAX verdampfte lose Blüten, ERA setzte dagegen auf standardisierte Pods mit Cannabisextrakten.

Geschäftlich war das für PAX interessant. Ein klassischer Vaporizer wird einmal verkauft. Bei einem geschlossenen Pod-System entsteht dagegen ein Ökosystem aus Gerät und regelmäßig benötigten Verbrauchsprodukten.

2019 schloss PAX entsprechende Vereinbarungen mit mehreren großen kanadischen Cannabisunternehmen. Im selben Jahr sammelte das Unternehmen 420 Millionen US-Dollar ein.

Die Finanzierungsrunde bewertete PAX mit rund 1,7 Milliarden Dollar.

Für einen Vaporizer-Hersteller war das eine außergewöhnliche Größenordnung – und zugleich Ausdruck der enormen Erwartungen, die Investoren damals mit dem legalen nordamerikanischen Cannabismarkt verbanden.

Als die App plötzlich zum Problem wurde

Beim PAX 3 und insbesondere bei ERA setzte das Unternehmen zunehmend auf Software. Über eine Smartphone-App ließen sich beispielsweise Temperaturen genauer einstellen, Geräte sperren oder bei bestimmten Pod-Produkten zusätzliche Informationen abrufen.

2019 zeigte sich die Kehrseite dieses Ansatzes.

Apple entfernte Vaping-Apps aus dem App Store. Damit verloren auch PAX-Nutzer auf dem iPhone den gewohnten Zugang zu Funktionen, die zuvor Bestandteil des Produkterlebnisses gewesen waren.

PAX reagierte mit webbasierten Lösungen. Eine native PAX-App für iOS steht seit Apples Verbot nicht mehr regulär über den App Store zur Verfügung. Aktuelle Supportseiten nennen stattdessen weiterhin eine Web-App sowie eine Android-Lösung; für Apple-Geräte wurden zeitweise browserbasierte Umwege angeboten.

Der Vorgang zeigt ein grundsätzliches Problem vernetzter Konsumgeräte: Eine Funktion kann technisch weiterhin im Produkt vorhanden sein und trotzdem praktisch eingeschränkt werden, weil ein externer Plattformbetreiber seine Regeln verändert.

Bei den neueren Dry-Herb-Geräten stehen deshalb wieder stärker die Einstellungen direkt am Vaporizer im Mittelpunkt.

2022 wird PAX selbst zur Cannabis-Marke

Nach der Milliardenfinanzierung blieb das Unternehmen nicht bei Hardware.

2022 begann PAX in ausgewählten nordamerikanischen Märkten Cannabisprodukte unter der eigenen Marke anzubieten. Dazu gehörten zunächst Live-Rosin-Pods und später sogenannte Infused Flower Pucks – gepresste Cannabisblüten mit Haschisch, die direkt in die Kräuterkammer eines Vaporizers eingesetzt werden konnten.

Später kamen weitere Produktkategorien hinzu.

PAX entwickelte sich damit vom reinen Hardware-Anbieter zu einer Cannabis-Marke mit eigenen Produktlinien.

In Europa ist davon bislang vergleichsweise wenig sichtbar. Hier wird PAX weiterhin in erster Linie mit tragbaren Dry-Herb-Vaporizern verbunden.

Lange hielt PAX an Konduktion fest

Technisch blieb die klassische Kräuterlinie über mehrere Generationen erstaunlich konstant.

PAX 1, PAX 2, PAX 3 und spätere Modelle erwärmten das Pflanzenmaterial überwiegend durch Konduktion: Die Kräuter liegen in einer heißen Metallkammer und nehmen die Wärme hauptsächlich über direkten Kontakt auf.

Dieses Prinzip ermöglicht kleine Geräte und vergleichsweise kompakte Heizsysteme, stellt aber höhere Anforderungen an eine gleichmäßige Befüllung. Auch Zugwiderstand und die Art, wie die Kammer gepackt werden musste, gehörten bei früheren PAX-Generationen zu häufig diskutierten Kritikpunkten.

Während andere Hersteller zunehmend auf stärkere Konvektionsanteile setzten, hielt PAX lange am eigenen Konzept fest.

2025 folgte deshalb ein ungewöhnlich großer technischer Schritt.

FLOW bricht mit einem Teil der alten PAX-Technik

Der PAX FLOW arbeitet mit einem Hybrid-Heizsystem aus Konduktion und Konvektion. Das Material wird also nicht mehr ausschließlich über die heißen Wände der Kräuterkammer erwärmt; auch erhitzte Luft trägt zur Extraktion bei.

PAX gibt für FLOW einen bis zu sechsfach höheren Luftdurchsatz gegenüber früheren Modellen an. Das ist eine Herstellerangabe, macht aber deutlich, welchen Bereich das Unternehmen gezielt überarbeiten wollte.

Auch die Konstruktion änderte sich. Die Kräuterkammer wurde leichter zugänglich, der Luftweg lässt sich besser erreichen und reinigen, und USB-C ersetzte ältere Ladelösungen.

Das sind keine bloß kosmetischen Veränderungen. FLOW setzt genau bei Punkten an, bei denen das traditionelle PAX-Prinzip zunehmend an Grenzen stieß: Luftwiderstand, Reinigung und die Abhängigkeit von reiner Konduktionsheizung.

FOUR bringt die neue Technik zurück ins klassische Format

2026 folgte der PAX FOUR.

Während FLOW konstruktiv deutlicher mit früheren Geräten bricht, orientiert sich FOUR äußerlich wieder stärker an der klassischen PAX-Reihe. Im Inneren arbeitet inzwischen jedoch ebenfalls eine Hybridheizung.

PAX wirbt mit bis zu 50 Prozent höherer Dampfproduktion gegenüber anderen eigenen Modellen. Auch hierbei handelt es sich um eine Herstellerangabe und nicht um einen unabhängigen Vergleichswert. Sie zeigt aber klar, worauf PAX die neue Generation ausrichtet: Die Geräte sollen nicht mehr ausschließlich über Kompaktheit und Bedienkomfort überzeugen, sondern auch bei Heizleistung und Extraktion zulegen.

FOUR besitzt vier Heizmodi, USB-C und eine überarbeitete Kammer mit verbessertem Luftstrom.

Parallel übernimmt der MINI die Rolle des einfacheren und kompakteren Modells. Die aktuelle Generation wiegt 89 Gramm, bietet zwei mögliche Kammerfüllungen und vier Heizmodi.

Damit ist die Dry-Herb-Reihe heute relativ nachvollziehbar gegliedert: MINI bildet den kompakten Einstieg, FOUR verbindet das traditionelle PAX-Format mit stärkerer Heiztechnik und FLOW stellt die deutlichste technische Abkehr von der alten Konstruktion dar.

Was PAX tatsächlich geprägt hat

Die Bedeutung von PAX liegt weniger darin, eine einzelne Vaporizer-Technologie erfunden zu haben.

Konduktionsheizung gab es vorher. Portable Vaporizer ebenfalls. Auch Sensoren, Temperaturregelung oder Pod-Systeme waren keine grundsätzlichen Neuerfindungen.

Der Einfluss lag vielmehr darin, wie konsequent PAX Vaporizer als Consumer-Hardware entwickelte: industrielle Serienfertigung, Sensoren, Firmware, klar definierte Produktgenerationen und zeitweise sogar ein softwaregestütztes Ökosystem.

Dieser Ansatz brachte große Erfolge – aber ebenso Umwege und Fehlentscheidungen.

Die starke App-Integration erwies sich als abhängig von den Regeln externer Plattformbetreiber. Das Pod-Geschäft war an unterschiedliche Cannabisgesetze einzelner Märkte gebunden. Der Erfolg von JUUL zog die Gründer und einen großen Teil des damaligen Entwicklungsteams aus PAX ab. Und technisch hielt die Dry-Herb-Reihe vergleichsweise lange an ihrem ursprünglichen Heizprinzip fest.

Gerade deshalb sind FLOW und FOUR interessanter als bloße Modellwechsel.

Sie zeigen, dass PAX inzwischen bereit ist, zentrale technische Entscheidungen aus der eigenen Vergangenheit zu überarbeiten, ohne die Produktfamilie vollständig neu zu erfinden.

Die Unternehmensgeschichte verläuft damit alles andere als geradlinig: vom Stanford-Projekt über Tabakkapseln und den ersten PAX zu JUUL, anschließend zum eigenständigen Cannabisunternehmen, zur Milliardenbewertung und schließlich zu einer neuen Generation von Kräuterverdampfern.

Quellenblock

  • WIRED, „Review: Ploom Pax“ (2012): Preis, Aufbau und Funktionen des ersten PAX sowie der damalige iPod-Vergleich.
  • Federal Trade Commission: Unternehmenshistorie von Ploom/PAX Labs, Einführung von JUUL und Abspaltung des PAX-Geschäfts 2017.
  • PR Newswire, Vorstellung des PAX 2 (2015): Angaben zu Größe, Akkulaufzeit und Lip-Sensing-Technik.
  • TechCrunch, Finanzierungsrunde 2019: 420 Millionen US-Dollar Kapital und Unternehmensbewertung von 1,7 Milliarden US-Dollar.
  • San Francisco Chronicle: personelle Folgen der Trennung von JUUL und PAX im Jahr 2017.
  • TechCrunch sowie aktuelle Supportinformationen: Apples Entfernung von Vaping-Apps und die anschließenden Web- und Android-Lösungen.
  • Unternehmenschronik und Produktinformationen: PAX 1, PAX 3, ERA sowie Entwicklung der Dry-Herb-Produktlinien.
  • FLOW, offizielle Produktinformationen: Hybridheizung, Luftstrom, Kammerkonstruktion und USB-C.
  • FOUR, offizielle Produktinformationen: Hybridheizung, Heizmodi, Akkulaufzeit und Angaben zur Dampfleistung.
  • MINI, offizielle Produktinformationen: Gewicht, Kammergrößen und Heizmodi.
  • Eigene Cannabis-Produktlinien: Angaben zu Live-Rosin-Pods und Infused Flower Pucks.

Stand: 09.2026

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