Söders Kiffer-Steuer: Was genau soll hier eigentlich besteuert werden?

Markus Söder, hochverehrter Landesvater Bayerns und Mastermind der deutschen Politik, will Cannabis besteuern. Klingt simpel – bis man sich fragt, welchen legalen Cannabisverkauf er eigentlich besteuern möchte.

Auf der CSU-Fraktionsklausur in Kloster Banz erklärte der bayerische Ministerpräsident: „Ich finde es eine absurde Situation, dass man auf Alkohol und Tabak Steuern bezahlt und das Kiffen kostenlos ist.“

Nur: Cannabis ist nicht kostenlos.

Wer selbst anbaut, bezahlt für Samen oder Stecklinge, Erde, Dünger, Strom und Zubehör. Mitglieder von Anbauvereinigungen finanzieren den gemeinschaftlichen Anbau über ihre Beiträge.

Was Söder offenbar meint: Anders als bei Alkohol oder Tabak erhebt der Staat auf Konsumcannabis keine spezielle Verbrauchsteuer.

Der Grund dafür liegt allerdings auf der Hand:

Deutschland hat gar keinen regulären kommerziellen Markt für Freizeit-Cannabis.

Seit April 2024 dürfen Erwachsene unter bestimmten Voraussetzungen Cannabis selbst anbauen. Außerdem sind Anbauvereinigungen erlaubt. Diese sind jedoch ausdrücklich nicht auf gewerblichen Handel ausgelegt. Cannabis darf dort nur an Mitglieder zum Eigenkonsum weitergegeben werden.

Ein normales Cannabis-Fachgeschäft, in dem Erwachsene legal Cannabis kaufen können, gibt es dagegen nicht.

Damit stellt sich eine einfache Frage:

Was genau möchte Söder besteuern?

Bei Zigaretten oder Alkohol existiert eine reguläre Produktions- und Handelskette, auf der Verbrauchsteuern erhoben werden können.

Bei Cannabis fehlt genau diese Struktur.

Im Umfeld der CSU wurde zwar bereits über eine mögliche Abgabe auf die Produktion von Anbauvereinigungen gesprochen. Ein konkretes Steuermodell hat Söder bislang aber nicht vorgestellt.

Eine solche Abgabe hätte zudem eine Nebenwirkung: Sie würde die Kosten der legalen Cannabisversorgung erhöhen.

Und damit kommt der Schwarzmarkt ins Spiel.

Wer legale Bezugswege zusätzlich verteuert, kann den Preisvorteil illegaler Anbieter vergrößern. Gerade bei Cannabis ist das relevant, weil der Schwarzmarkt trotz Teillegalisierung weiterhin existiert.

Das bedeutet nicht, dass Cannabis grundsätzlich nicht besteuert werden könnte.

In einem regulierten kommerziellen Cannabismarkt wäre eine Verbrauchsteuer durchaus möglich. Deutschland hat einen solchen Markt bislang aber bewusst nicht geschaffen.

Genau deshalb wirkt Söders Forderung derzeit vor allem unvollständig.

Über eine Cannabissteuer kann man diskutieren. Dann müsste allerdings zuerst erklärt werden, welcher legale Vorgang überhaupt besteuert werden soll und wie verhindert werden soll, dass dadurch illegale Anbieter attraktiver werden.

Solange diese Antworten fehlen, bleibt von der „Kiffer-Steuer“ vor allem eine griffige Forderung.

Wie sie praktisch funktionieren soll, hat Markus Söder bislang nicht erklärt.

Stand: 09.2026

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