Seit der Teillegalisierung wird Cannabis in Deutschland wieder zum politischen Feindbild aufgebaut. Dobrindt, Söder, Merz und andere Kritiker sprechen von Kriminalität, Jugendgefährdung, Kontrollverlust und gescheiterter Drogenpolitik. Reale Probleme gibt es tatsächlich: Medizinalcannabis, Online-Rezepte, Frühintervention, hochpotente Blüten und schwache legale Bezugswege sind offene Baustellen. Doch die politische Schlussfolgerung vieler Gegner ist falsch. Nicht die Entkriminalisierung hat den Schwarzmarkt geschaffen, sondern Jahrzehnte der Verbotspolitik.
Die härteste Anti-Cannabis-Linie verkauft sich als Jugendschutz, Gesundheitsschutz und Sicherheitspolitik. Tatsächlich läuft sie oft auf die Rückkehr zu einem Modell hinaus, das schon vor der Reform nicht funktioniert hat. Cannabis war trotz Verbots verfügbar. Jugendliche konnten es auf dem Schwarzmarkt kaufen. Erwachsene Konsumenten wurden kriminalisiert. Polizei und Justiz beschäftigten sich mit Besitzdelikten, während der illegale Handel weiterlief.
Eine cannabisfreundliche Haltung bedeutet nicht, Cannabis zu verharmlosen. Cannabis kann Risiken haben, vor allem bei frühem Konsumbeginn, psychischer Vorbelastung, häufigem Konsum und sehr hohen THC-Gehalten. Aber eine ehrliche Drogenpolitik muss zwischen Risiko und Verbot unterscheiden. Nicht jede riskante Substanz gehört ins Strafrecht. Und nicht jede Warnung vor Cannabis ist ein Argument gegen Entkriminalisierung.
Die bisherige Bilanz ist gemischt – aber keine Katastrophe
Der zweite EKOCAN-Zwischenbericht beschreibt kein perfektes Gesetz. Er zeigt Korrekturbedarf beim Medizinalcannabis, bei Frühinterventionen, bei Anbauvereinigungen und bei der Markttransparenz. Zugleich ist ein reformbedingter Konsumanstieg bislang nicht erkennbar. Die Konsumhäufigkeit bei Jugendlichen ist laut Auswertung stabil bis leicht rückläufig, der Bezug aus legalen Quellen wächst moderat, und es gibt Hinweise darauf, dass Teile der Nachfrage in legale Bezugswege wandern.
Diese Lage spricht nicht für Jubel, aber auch nicht für Rückabwicklung. Sie spricht für Nachbesserung. Wer legale Quellen langsam genehmigt, Anbauvereinigungen ausbremst und keinen kontrollierten Fachhandel schafft, darf sich nicht wundern, wenn der Schwarzmarkt weiter relevant bleibt. Das ist kein Beweis gegen Legalisierung. Es ist ein Beweis gegen halbherzige Regulierung.
Alexander Dobrindt: Der „Rohrkrepierer“-Vorwurf
Alexander Dobrindt gehört zu den lautesten Gegnern der Teillegalisierung. Nach dem zweiten EKOCAN-Zwischenbericht nannte er das Cannabisgesetz einen „vollkommenen Rohrkrepierer“, „jugendgefährdend und kriminalitätsfördernd“. Außerdem erklärte er: „Der Schwarzmarkt boomt, die Kriminalität steigt.“
Diese Aussage ist politisch wirksam, aber sachlich zu grob. Die Evaluation zeigt gerade keine einfache Linie „Legalisierung gleich mehr Konsum und mehr Kriminalität“. Die Forschenden betonen vielmehr, dass eine abschließende Bewertung der Auswirkungen auf organisierte Kriminalität noch nicht möglich ist. Zugleich gibt es Hinweise darauf, dass legale Bezugswege langsam an Bedeutung gewinnen.
Dobrindts Fehler liegt in der Schlussfolgerung. Wenn legale Bezugswege schwach bleiben, bleibt auch der Schwarzmarkt stark. Das spricht nicht gegen Entkriminalisierung, sondern gegen halbherzige Regulierung. Wer erwachsene Konsumenten wieder stärker verfolgt und legale Alternativen zurückdrängt, verschiebt die Nachfrage erneut in illegale Strukturen.
Der kulturelle Kontrast bleibt auffällig. Beim bayerischen Oktoberfest in Berlin gingen die ersten Maßkrüge mit Oktoberfestbier unter anderem an Alexander Dobrindt. Söder riet den Festgästen laut Medienbericht: „Trinken Sie, soviel Sie vertragen.“ Der Vorgang zeigt den Doppelstandard, der die Cannabisdebatte prägt: Alkohol erscheint als Brauchtum, Cannabis als Sicherheitsproblem.
Friedrich Merz: Die Erzählung von der „Explosion“ der Kriminalität
Friedrich Merz kündigte an, die Cannabis-Freigabe bei einer Regierungsübernahme schnell rückgängig machen zu wollen. Er sprach von einer „Explosion“ der Rauschgiftkriminalität und der organisierten Kriminalität mit brutalen Bandenkriegen.
Organisierte Drogenkriminalität ist real. Aber sie ist nicht durch die Teillegalisierung entstanden. Sie war lange vorher da, gerade weil der Cannabismarkt illegal war. Wer diese Kriminalität ernsthaft schwächen will, muss ihr Marktanteile nehmen. Das gelingt nicht durch erneute Kriminalisierung erwachsener Konsumenten, sondern durch legale Bezugswege, Produktsicherheit, transparente Anbieter, klare Regeln und konsequente Strafverfolgung gegen gewerblichen illegalen Handel.
Merz benennt damit ein reales Übergangsproblem: Besitz und Eigenanbau wurden erlaubt, während legale Versorgungsstrukturen langsam und unvollständig entstanden. Genau diese Lücke kann der Schwarzmarkt nutzen. Doch die Lösung ist nicht die Rückkehr zum Verbot. Die Lösung ist eine Regulierung, die illegale Anbieter praktisch zurückdrängt, statt ihnen die Nachfrage wieder zu überlassen.
Markus Söder: Cannabis als Kulturkampf
Markus Söder hat Cannabis früh zum Symbolthema gemacht. Seine Linie: Bayern werde kein „Kiffer-Paradies“. Bayern werde mit harten Bußgeldern durchgreifen und das Cannabisgesetz restriktiv anwenden.
Diese Formel funktioniert, weil sie ein Bild von Kontrollverlust erzeugt. Sachlich ist sie schief. Deutschland hat Cannabis nicht frei kommerzialisiert. Besitzmengen, Eigenanbau, Konsumverbote, Abstandsregeln und Anbauvereinigungen sind detailliert geregelt. Minderjährige dürfen Cannabis weiterhin nicht legal besitzen oder erwerben.
Söders Cannabisrhetorik lebt vom Gegensatz: hier Ordnung, dort Kontrollverlust; hier Bayern, dort angebliche Drogenliberalität. Genau dadurch wird Cannabis nicht nüchtern als regulierbare Substanz mit Risiken betrachtet, sondern als politisches Erkennungszeichen.
Der Alkohol-Doppelstandard ist bei Söder besonders sichtbar. Beim Oktoberfest erhält der bayerische Ministerpräsident traditionell die erste Maß Bier; 2025 berichteten mehrere Medien über Söders Wiesn-Auftritt, die erste Maß und seine Bemerkung, Bier auf der Haut sei das „schönste Parfum“. Alkohol erscheint als Kultur, Heimat, Volksfest und Geselligkeit. Cannabis bekommt diesen Normalitätsbonus nicht. Dort wird nicht von verantwortlichem Umgang gesprochen, sondern schnell von Kiffer-Paradies, Kontrollverlust und Kriminalität.
Präventionspolitisch ist das schwach. Alkohol ist in Deutschland kein Randproblem. Das Bundesgesundheitsministerium nennt rund 57 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Kosten pro Jahr durch Alkoholkonsum. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen nennt 8,6 Millionen Erwachsene mit riskantem Alkoholkonsum und 9,5 Millionen Personen mit episodischem Rauschtrinken innerhalb der letzten 30 Tage.
Wer Cannabis hart moralisiert, Alkohol aber als Folklore behandelt, wirkt nicht wie ein konsequenter Gesundheitspolitiker. Glaubwürdige Suchtpolitik misst Risiken nicht nach Tradition, sondern nach Schaden, Konsummuster, Jugendschutz und Kontrollierbarkeit.
Silke Launert: Organisierte Kriminalität als Schreckbild
Silke Launert warf der damaligen Ampel-Koalition im Bundestag vor, mit der Legalisierung eine „Einladung an Kriminelle“ ausgesprochen zu haben. Sie verwies auf die sogenannte Mocro-Mafia, brutale Bandenkriege und Schießereien im öffentlichen Raum.
Diese Argumentation nutzt ein reales Sicherheitsproblem, zieht aber einen fragwürdigen Zusammenhang. Die Mocro-Mafia und andere kriminelle Netzwerke leben von illegalen Märkten. Sie sind kein Produkt der Entkriminalisierung erwachsener Konsumenten. Im Gegenteil: Sie wurden groß in Märkten, die staatlich nicht reguliert, sondern kriminellen Vertriebsstrukturen überlassen waren.
Auch hier lohnt der Blick auf die politische Kultur. Auf Launerts eigener Seite erscheinen Bierpreis, Maß Bier, Freibier und Festkultur als ganz normale Bestandteile regionaler Politik. Beim Pretzfelder Kirschenfest wurde die Maß Bier thematisiert, das erste Fass angestochen und Freibier an Ehrengäste verteilt. Die Schieflage ist offensichtlich: Alkohol gehört zur politischen Normalität, Cannabis zur politischen Alarmrhetorik.
Wer organisierte Kriminalität ernsthaft schwächen will, muss ihr Marktanteile entziehen: durch kontrollierte legale Quellen, bessere Marktaufsicht, konsequente Strafverfolgung gegen gewerbsmäßigen illegalen Handel und eine klare Trennung zwischen Konsumierenden und kriminellen Vertriebsstrukturen.
Rainer Wendt: Der Polizeiblick auf Cannabis
Rainer Wendt und die Deutsche Polizeigewerkschaft warnten nach Inkrafttreten der Teillegalisierung vor Mehrarbeit, vielen Regelverstößen und Zulauf aus dem europäischen Ausland. Die DPolG kritisierte offene Fragen, unbestimmte Rechtsbegriffe und fehlende Entlastung für Polizei und Justiz.
Ein Teil dieser Kritik ist nachvollziehbar. Das Cannabisgesetz ist kompliziert. Besitzmengen, Konsumverbotszonen, Abstandsregeln, private Vorräte, Anbauvereinigungen und Verkehrsfragen erzeugen Kontrollaufwand. Für die Polizei wäre ein einfaches Verbot leichter zu handhaben als ein differenziertes Regelwerk.
Aber einfache Kontrolle ist nicht automatisch gute Politik. Ein freiheitlicher Rechtsstaat darf Drogenpolitik nicht nur danach bewerten, was für Behörden am bequemsten ist. Entscheidend ist, ob eine Regelung Schäden reduziert, legale Alternativen schafft und Ressourcen sinnvoll einsetzt. Wenn ein Gesetz zu kompliziert ist, spricht das für Vereinfachung. Es spricht nicht automatisch für Rückabwicklung.
Interessant ist, dass Wendt beim Alkohol im Straßenverkehr sehr klar argumentiert. Er forderte eine deutlich strengere Promillegrenze und sagte: „Alkohol und Autofahren gehören nicht zusammen.“ Genau diese nüchterne Logik wäre auch bei Cannabis sinnvoll: klare Verkehrsregeln, klare Grenzwerte, klare Kontrollen – aber keine pauschale Rückkehr zur Kriminalisierung erwachsener Konsumenten.
Andreas Gassen: Medizinische Autorität mit politischer Zuspitzung
Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, unterstützte Dobrindts Kritik ausdrücklich. Er bezeichnete das Cannabisgesetz als „Dealerförderprogramm“ und „Drogenverharmlosungsinitiative“ und forderte, dieses Gesetz müsse weg.
Aus medizinischer Sicht gibt es berechtigte Kritik. Der Markt für Medizinalcannabis ist nach der Reform stark gewachsen. Online-Plattformen, Privatrezeptmodelle und hochpotente Blüten werfen ernsthafte Fragen auf. EKOCAN sieht gerade im Medizinalcannabis einen klaren Nachsteuerungsbedarf.
Gassens Zuspitzung vermischt aber zwei Ebenen. Die eine Ebene ist medizinisch: Wer bekommt Cannabis als Arzneimittel, unter welchen Standards, mit welcher ärztlichen Prüfung und welcher Werbung? Die andere Ebene ist strafrechtlich: Soll erwachsener Besitz wieder kriminalisiert werden? Aus medizinischen Risiken folgt nicht automatisch ein strafrechtliches Verbot.
Gerade aus gesundheitspolitischer Sicht wäre eine konsequente Linie nötig: Substanzen sollten nach Risiko, Verfügbarkeit, Jugendschutz und Schadenspotenzial bewertet werden – nicht danach, welche Substanz politisch leichter zu markieren ist. Die pauschale Cannabisformel vom „Dealerförderprogramm“ bleibt dafür zu grob.
Hendrik Streeck: Kritisch, aber nicht einfach Verbotsrhetorik
Hendrik Streeck ist in dieser Debatte anders einzuordnen. Er kritisiert Fehlentwicklungen beim Medizinalcannabis und bei Frühinterventionen, will Cannabis aber nicht schlicht zurück in die alte Verbotspolitik drängen. Laut Ärzteblatt fordert er eine klare Trennung zwischen Konsumcannabis und Medizinalcannabis und hohe Standards für medizinische Anwendungen.
Diese Kritik ist ernst zu nehmen. Sie trifft reale Schwächen der Reform. Gerade die Vermischung von Medizinalcannabis und Freizeitkonsum ist problematisch. Wenn Cannabisblüten über Onlineplattformen wie Lifestyleprodukte vermarktet werden, ist das keine saubere medizinische Versorgung. Hier braucht es klare Regeln, Werbekontrolle und ärztliche Standards.
Streeck zeigt beim Alkohol außerdem eine klare Linie. Er sprach sich gegen das begleitete Trinken für unter 16-Jährige aus und verwies auf die gesundheitlichen Risiken für junge Menschen. Damit unterscheidet er sich von reiner Anti-Cannabis-Rhetorik. Eine glaubwürdige Drogenpolitik darf Cannabis nicht verharmlosen, muss aber auch Alkohol ehrlich benennen.
Der eigentliche Doppelstandard: Alkohol wird normalisiert, Cannabis dämonisiert
Der Vergleich mit Alkohol ist kein Ablenkungsmanöver. Er zeigt, wie inkonsequent die politische Bewertung psychoaktiver Substanzen oft ist. Alkohol ist legal, kulturell tief verankert und wirtschaftlich bedeutend. Gleichzeitig verursacht er enorme gesundheitliche und soziale Schäden. Das Bundesgesundheitsministerium nennt rund 57 Milliarden Euro volkswirtschaftliche Kosten pro Jahr; die DHS verweist auf Millionen Menschen mit riskantem Konsum oder Rauschtrinken.
Trotzdem wird Alkohol in der politischen Öffentlichkeit meist als Brauchtum, Genuss oder regionale Identität behandelt. Bierzelte, Anstiche, Freibier, Weinkeller und Volksfeste gelten als normal. Cannabis dagegen wird häufig nicht als regulierbare Substanz betrachtet, sondern als politisches Gefahrensymbol.
Dieser Doppelstandard macht die Anti-Cannabis-Rhetorik angreifbar. Nicht, weil Alkohol verboten werden müsste. Sondern weil Cannabis nicht härter moralisiert werden sollte als eine legale Substanz, deren Schäden viel besser dokumentiert und gesellschaftlich viel größer sind.
Eine erwachsene Drogenpolitik müsste anders aussehen: kein Kifferkitsch, keine Alkoholromantik, keine Strafrechtsnostalgie. Stattdessen klare Regeln, Alterskontrollen, Prävention, Produkttransparenz, Jugendschutz, Verkehrssicherheit, Suchthilfe und legale Bezugswege, die dem Schwarzmarkt tatsächlich Marktanteile entziehen.
Warum Rückabwicklung den Schwarzmarkt stärkt
Die härtesten Cannabisgegner behaupten, sie wollten den Schwarzmarkt bekämpfen. Doch ihre vorgeschlagene Lösung läuft oft auf das Gegenteil hinaus. Wenn legale Wege blockiert oder zurückgedreht werden, verschwindet die Nachfrage nicht. Sie verlagert sich wieder stärker in illegale Strukturen.
Dort gibt es keine Alterskontrolle. Keine Produktsicherheit. Keine THC‑Deklaration. Keine Rückverfolgbarkeit. Keine Beratung. Keine Trennung zwischen Cannabis und anderen illegalen Substanzen. Genau das war das Problem der alten Prohibition: Sie hat Cannabis nicht aus der Gesellschaft entfernt, sondern den Markt kriminellen Strukturen überlassen.
Die bisherigen EKOCAN-Daten sprechen nicht für eine naive Erfolgsgeschichte. Aber sie sprechen auch nicht für die Katastrophenerzählung. Es gibt keinen klar erkennbaren reformbedingten Konsumanstieg, Hinweise auf legale Verlagerung und zugleich deutlichen Nachbesserungsbedarf bei Medizinalcannabis, Frühintervention und Anbauvereinigungen.
Daraus folgt eine klare politische Linie: nicht zurück zum Verbot, sondern raus aus der halben Regulierung. Der Schwarzmarkt wird nicht durch Strafdrohungen schwächer, sondern durch funktionierende legale Wege, wirksame Kontrollen und glaubwürdige Prävention.
Fazit: Die Cannabis-Hardliner benennen Probleme – aber ihre Lösung ist die falsche
Dobrindt, Söder, Merz, Launert, Wendt und Gassen prägen eine Debatte, die häufig härter klingt, als sie sachlich trägt. Ihre Begriffe sind stark: Rohrkrepierer, Kiffer-Paradies, Dealerförderprogramm, Einladung an Kriminelle, Explosion der Kriminalität. Sie erzeugen Aufmerksamkeit. Aber sie erklären zu wenig.
Die Risiken von Cannabis sind real. Gerade deshalb braucht es Regulierung, Prävention, Alterskontrollen, Verkehrssicherheit und klare medizinische Standards. Die pauschale Rückkehr zur Straflogik wäre dagegen kein Fortschritt. Sie würde viele Probleme dorthin zurückschieben, wo sie am schlechtesten kontrollierbar sind: in den illegalen Markt.
Wer Jugendschutz will, braucht Prävention und Alterskontrolle. Wer Gesundheitsschutz will, braucht Aufklärung und Standards. Wer organisierte Kriminalität schwächen will, muss legale Bezugswege stärken. Wer glaubwürdig über Suchtpolitik sprechen will, darf Alkohol nicht als Kultur und Cannabis als Feindbild behandeln.
Eine bessere Cannabispolitik braucht weniger Kulturkampf und mehr Ehrlichkeit. Nicht Verharmlosung, nicht Symbolpolitik, sondern Regulierung, Kontrolle, Prävention und Schadensminimierung. Genau dort liegt eine glaubwürdige cannabisfreundliche Position: nicht in Naivität, sondern in der Weigerung, eine gescheiterte Verbotspolitik als Schutzmaßnahme zu verkaufen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundesgesundheitsministerium: Zweite Evaluation zur Cannabis-Teillegalisierung. Quelle zum zweiten EKOCAN-Zwischenbericht und zur politischen Bewertung der bisherigen Teillegalisierung. Die Veröffentlichung dokumentiert außerdem Alexander Dobrindts Aussagen zum Cannabisgesetz als „Rohrkrepierer“, „jugendgefährdend“ und „kriminalitätsfördernd“.
- Universität Tübingen: Neue Zwischenergebnisse zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes. Wissenschaftliche Quelle zu zentralen EKOCAN-Ergebnissen: Konsumentwicklung, legale Bezugswege, Schwarzmarkt, Medizinalcannabis, Anbauvereinigungen und Frühintervention. Die Quelle stützt die Einordnung, dass die bisherige Bilanz gemischt ist und weiterer Nachsteuerungsbedarf besteht.
- Welt: CDU-Chef Merz will Cannabis-Freigabe nach Wahlsieg schnell rückgängig machen. Quelle für Friedrich Merz’ Ankündigung, die Cannabis-Freigabe rückgängig machen zu wollen, sowie für seine Aussage zur angeblichen „Explosion“ der Rauschgiftkriminalität.
- Deutscher Bundestag: Emotionale Debatte über die Auswirkungen der Cannabis-Legalisierung. Parlamentsquelle zur Bundestagsdebatte über die Cannabis-Teillegalisierung. Beleg für Silke Launerts Aussagen zur „Einladung an Kriminelle“, zur Mocro-Mafia, zu Bandenkriegen, Schießereien und Schwarzmarkt.
- Deutsche Polizeigewerkschaft: Stellungnahme zur Teillegalisierung von Cannabis vom 1. April 2024. Quelle für die von Rainer Wendt und der Deutschen Polizeigewerkschaft vertretene Kritik an der Reform. Der Beitrag dokumentiert unter anderem die Warnung vor zusätzlichem Kontrollaufwand für die Polizei, Regelverstößen und Zulauf aus dem europäischen Ausland. Die Quelle belegt damit die Position der DPolG, nicht automatisch die tatsächlichen Folgen der Reform.
- Kassenärztliche Bundesvereinigung: Gassen: „Dieses schädliche Gesetz muss weg!“. Quelle für Andreas Gassens Kritik am Cannabisgesetz. Belegt sind insbesondere seine Formulierungen „Dealerförderprogramm“ und „Drogenverharmlosungsinitiative“ sowie seine Forderung nach Rücknahme des Gesetzes.
Deutsches Ärzteblatt: Drogenbeauftragter will Cannabis-Schwarzmarkt austrocknen. Quelle für Hendrik Streecks differenziertere Position zu Konsumcannabis und Medizinalcannabis. Belegt werden seine Forderungen nach klarerer Trennung, strengeren medizinischen Standards und einer Regulierung, die den Schwarzmarkt zurückdrängen soll. - Markus Söder / X: „Bayern wird kein Kiffer-Paradies“. Quelle für Söders öffentliche Position zur Cannabis-Teillegalisierung, insbesondere zu restriktiver Anwendung, harten Bußgeldern und politischer Abgrenzung gegenüber der Reform.
- Bayerische Staatszeitung: „Ozapft is“ in Berlin – die Bayern feiern Oktoberfest. Quelle zur politischen Inszenierung bayerischer Bier- und Oktoberfestkultur in Berlin. Belegt werden der Rahmen der Veranstaltung, Maßkrüge an politische Gäste und Söders Aussage „Trinken Sie, soviel Sie vertragen“.
- Zeit Online: Oktoberfest: Söders Lederhose „sitzt schon viel, viel besser“. Quelle für Söders Wiesn-Auftritt 2025, die erste Maß Bier und das „Bier-Parfum“-Zitat. Dient als Beleg für die öffentliche Normalisierung von Alkohol als Brauchtum und politischer Kultur.
- Silke Launert: Das Kirschenfest in Pretzfeld ist immer ein Erlebnis. Quelle von Launerts eigener Website zur regionalen Festkultur. Belegt werden die Darstellung von Maß Bier, Fassanstich, Freibier und politischer Geselligkeit im lokalen Brauchtumskontext.
- Bundesgesundheitsministerium: Alkoholkonsum in Deutschland: Zahlen und Fakten. Quelle für zentrale Zahlen zu riskantem Alkoholkonsum, Rauschtrinken, Alkoholabhängigkeit, alkoholbedingten Todesfällen und volkswirtschaftlichen Folgen von Alkohol in Deutschland.
- Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Alkohol – Zahlen, Daten, Fakten. Ergänzende Fachquelle zu Alkoholkonsum in Deutschland, insbesondere zu riskantem Konsum, episodischem Rauschtrinken und gesundheitlichen Folgen.
- Merkur: Neuer Promille-Grenzwert? Polizeigewerkschafter Wendt fordert „faktisches Alkoholverbot“ für alle. Quelle für Rainer Wendts Aussage, dass Alkohol und Autofahren nicht zusammengehören, sowie für seine Forderung nach strengeren Regeln im Straßenverkehr.
- Deutsches Ärzteblatt: Drogenbeauftragter will strengere Alkoholregeln und neues Schulfach Gesundheit. Quelle für Hendrik Streecks Forderung, das begleitete Trinken ab 14 Jahren abzuschaffen, sowie für seine Warnung vor gesundheitlichen Risiken von Alkohol bei Jugendlichen.

