Die Cannabispolitik gehört weiterhin zu den umstrittensten gesellschaftspolitischen Themen in Deutschland. Seit dem 1. April 2024 dürfen Erwachsene Cannabis innerhalb gesetzlicher Grenzen besitzen und bis zu drei Pflanzen privat anbauen. Die Vorschriften für den gemeinschaftlichen Eigenanbau in nicht kommerziellen Anbauvereinigungen traten am 1. Juli 2024 in Kraft. Ein allgemeiner Verkauf von Cannabis in lizenzierten Fachgeschäften wurde dagegen nicht eingeführt.
Deutschland hat Cannabis damit weder vollständig legalisiert noch lediglich entkriminalisiert. Besitz, privater Eigenanbau und gemeinschaftlicher Anbau sind innerhalb klarer gesetzlicher Grenzen erlaubt. Außerhalb dieses Rahmens bleiben zahlreiche Handlungen verboten und teilweise strafbar.
Die Parteien bewerten diesen Kurs grundlegend unterschiedlich. CDU, CSU und AfD wollen die Freigabe von Cannabis zu Genusszwecken zurücknehmen. Grüne, FDP und Linke halten an einer legalen Regulierung fest, unterscheiden sich jedoch beim gewünschten Umfang. Die SPD befürwortet in ihrem Parteiprogramm eine weitergehende Legalisierung, ist als Regierungspartei aber an den deutlich vorsichtigeren Koalitionskompromiss mit CDU und CSU gebunden. Beim BSW fehlt bislang eine verbindliche bundespolitische Position.
Das Wichtigste in Kürze
- CDU und CSU wollen die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken rückgängig machen.
- Die AfD fordert ebenfalls eine Korrektur der Freigabe, beschreibt die spätere Rechtslage jedoch weniger konkret als die CDU.
- Die SPD will programmatisch eine europarechtskonforme Legalisierung ermöglichen, konnte weitere Legalisierungsschritte im Koalitionsvertrag aber nicht durchsetzen.
- Die Grünen wollen Cannabis in lizenzierten Fachgeschäften verkaufen lassen.
- Die FDP will die Legalisierung beibehalten und setzt auf Prävention statt Kriminalisierung.
- Die Linke fordert eine vollständige Legalisierung und zusätzliche kontrollierte Abgabemöglichkeiten.
- Das BSW hat bisher keine klare bundesweite Cannabisposition formuliert.
Cannabispolitik der Parteien im Überblick
| Partei | Grundhaltung | Position zum geltenden Cannabisrecht | Kontrollierte Verkaufsstellen |
|---|---|---|---|
| CDU | klar gegen die Legalisierung | Cannabisgesetz aufheben; Besitz, Anbau und Vertrieb wieder verbieten | nein |
| CSU | strikt gegen die Legalisierung | Legalisierung zu Genusszwecken vollständig zurücknehmen | nein |
| SPD | grundsätzlich für eine regulierte Legalisierung | Parteiprogramm pro weiterer Legalisierung; Regierungskompromiss: ergebnisoffene Evaluation | grundsätzlich möglich, derzeit kein vereinbartes Regierungsmodell |
| Bündnis 90/Die Grünen | klar für die Legalisierung | geltenden Kurs erhalten und ausbauen | ausdrücklich ja |
| FDP | für die Legalisierung | Legalisierung beibehalten | konkrete Ausgestaltung bleibt offen |
| Die Linke | für eine umfassende Legalisierung | bestehendes Recht deutlich erweitern | grundsätzlich ja; zunächst auch über Modellprojekte |
| AfD | gegen die Legalisierung | Freigabe außerhalb bestimmter medizinischer Anwendungen korrigieren | nein |
| BSW | nicht eindeutig | keine verbindliche Bundesposition | offen |
Die aktuelle politische Ausgangslage
Das geltende Cannabisrecht unterscheidet zwischen Cannabis zu Konsumzwecken und medizinischem Cannabis. Besitz, privater Eigenanbau und Anbauvereinigungen werden im Konsumcannabisgesetz geregelt. Für medizinisches Cannabis gilt das eigenständige Medizinal-Cannabisgesetz.
Diese Trennung ist politisch wichtig. Forderungen nach strengeren Regeln für Onlineverordnungen oder den Versand von Medizinalcannabis bedeuten nicht automatisch, dass auch der private Besitz oder Eigenanbau wieder verboten werden soll.
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD wurde keine Abschaffung des Konsumcannabisgesetzes vereinbart. Festgelegt wurde lediglich eine ergebnisoffene Evaluierung. Eine gemeinsame Entscheidung über eine Rücknahme, Verschärfung oder Weiterentwicklung des Gesetzes enthält der Vertrag nicht.
Die koalitionsvertragliche Überprüfung fiel zeitlich mit der ohnehin gesetzlich vorgeschriebenen wissenschaftlichen Evaluation zusammen. Ein erster Evaluationsbericht wurde im Oktober 2025 vorgelegt, ein weiterer Zwischenbericht folgte am 1. April 2026. Der umfassende Abschlussbericht ist spätestens zum 1. April 2028 vorgesehen.
Bundesministerien und der Bundesdrogenbeauftragte leiteten aus dem zweiten Zwischenbericht erheblichen Änderungsbedarf ab. Dabei ist zwischen den wissenschaftlichen Ergebnissen und ihrer politischen Bewertung durch Regierungsmitglieder zu unterscheiden. Eine politische Pressemitteilung ist nicht mit dem vollständigen wissenschaftlichen Bericht gleichzusetzen.
CDU: Cannabisgesetz abschaffen und Besitz wieder verbieten
Die CDU gehört zu den entschiedensten Gegnern des geltenden Cannabisrechts. Bereits im gemeinsamen Bundestagswahlprogramm mit der CSU kündigte die Union an, die Legalisierung zurückzunehmen.
Auf dem CDU-Bundesparteitag im Februar 2026 wurde diese Position weiter konkretisiert. Der angenommene Antrag fordert:
- die Aufhebung des Cannabisgesetzes,
- ein vollständiges Verbot von Besitz, Anbau und Vertrieb,
- die erneute strafrechtliche Verfolgung entsprechender Handlungen,
- umfangreichere Aufklärungsprogramme,
- strengere Kontrollen und Maßnahmen im Straßenverkehr.
Die CDU will damit nicht lediglich einzelne Vorschriften nachbessern. Ihre offizielle Parteiposition ist die weitgehende Rückkehr zum früheren Verbotsmodell. Heute erlaubter Besitz, privater Eigenanbau und gemeinschaftlicher Anbau würden bei vollständiger Umsetzung dieser Forderung erneut grundsätzlich verboten.
In der Bundesregierung konnte die CDU diese Position bisher nicht durchsetzen. Der Koalitionsvertrag mit der SPD enthält keinen Auftrag zur Abschaffung des Gesetzes.
CSU: Besonders offensiv gegen die Legalisierung
CDU und CSU treten auf Bundesebene mit einem gemeinsamen Wahlprogramm an und bilden im Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft. Die CSU sollte dennoch gesondert betrachtet werden, da sie ihre Ablehnung der Cannabisreform besonders offensiv kommuniziert.
Die bayerische Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach forderte im Juni 2026 erneut, die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken vollständig zurückzunehmen. Als zentrale Begründung nennt die CSU gesundheitliche Gefahren sowie den Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Im angestrebten Ergebnis unterscheiden sich CDU und CSU kaum. Beide Parteien wollen den eingeschlagenen Legalisierungskurs beenden.
Die CSU legt in ihren aktuellen Stellungnahmen allerdings nicht jede spätere gesetzliche Einzelregelung fest. Eine vollständige Rücknahme würde die heute erlaubten Besitzmengen, den privaten Eigenanbau und die Anbauvereinigungen jedoch grundsätzlich infrage stellen.
SPD: Zwischen Legalisierungsziel und Koalitionskompromiss
Die SPD vertritt programmatisch eine deutlich andere Position als CDU und CSU. In ihrem Regierungsprogramm zur Bundestagswahl 2025 erklärte sie, die notwendigen Schritte einleiten zu wollen, um eine europarechtskonforme Legalisierung zu ermöglichen.
Als Ziele nennt die SPD ausdrücklich:
- einen besseren Gesundheitsschutz,
- einen besseren Jugendschutz,
- eine wirksamere Bekämpfung der organisierten Kriminalität.
Aus dieser Position lässt sich das Ziel eines staatlich regulierten legalen Rahmens ableiten. Ein konkretes Vertriebsmodell mit Fachgeschäften, Lizenzbedingungen oder Produktvorgaben beschreibt das Programm an dieser Stelle jedoch nicht.
Im Koalitionsvertrag mit CDU und CSU konnte die SPD keine weiteren Legalisierungsschritte durchsetzen. Vereinbart wurde nur die ergebnisoffene Evaluation des geltenden Gesetzes.
Die SPD steht damit zwischen Parteiprogramm und Regierungsverantwortung. Ihre Programmatik spricht gegen eine Rückkehr zur umfassenden Kriminalisierung erwachsener Konsumenten. Gleichzeitig garantiert sie nicht, dass alle bestehenden Regelungen unverändert bleiben. Begrenzte Verschärfungen oder Änderungen sind innerhalb des Koalitionskompromisses möglich.
Bündnis 90/Die Grünen: Legalisierung konsequent weiterentwickeln
Die Grünen vertreten eine der klarsten Positionen für eine weitergehende Regulierung von Cannabis.
In ihrem Regierungsprogramm zur Bundestagswahl 2025 bewerten sie das Cannabisgesetz als Fortschritt für Bürgerrechte sowie für den Gesundheits-, Jugend- und Verbraucherschutz. Die Drogenpolitik soll sich nach ihrer Auffassung stärker an den tatsächlichen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Risiken verschiedener Substanzen orientieren.
Am Ziel eines Verkaufs von Cannabis in lizenzierten Fachgeschäften halten die Grünen ausdrücklich fest. Parallel sollen Prävention, Therapie, Suchtberatung, Substanzanalysen und wissenschaftliche Forschung ausgebaut werden.
Die grüne Position beruht damit auf drei Elementen:
- Erwachsene Konsumenten sollen nicht strafrechtlich verfolgt werden.
- Cannabis soll aus kontrollierten und nachvollziehbaren Quellen stammen.
- Prävention und Hilfsangebote sollen stärker ausgebaut werden.
Aus Sicht der Grünen bleibt das geltende Modell unvollständig. Erwachsene dürfen Cannabis besitzen und privat anbauen, verfügen außerhalb des Eigenanbaus und der Anbauvereinigungen aber nur über begrenzte legale Bezugswege.
Die Partei sieht in lizenzierten Verkaufsstellen deshalb ein Mittel, um Qualitätskontrollen durchzusetzen und den illegalen Markt weiter zurückzudrängen.
FDP: Legalisierung erhalten, Prävention stärken
Die FDP will an der Cannabislegalisierung festhalten. Im Mittelpunkt stehen persönliche Freiheit, Eigenverantwortung und eine wissenschaftlich orientierte Drogenpolitik.
In ihrem Bundestagswahlprogramm 2025 erklärt die Partei, Konsumverhalten nicht vorrangig kriminalisieren zu wollen. Stattdessen setzt sie auf Aufklärung und einen verantwortungsfähigen Umgang mit Suchtmitteln.
Die bisherige Reform bewertet die FDP als wichtigen Schritt, um:
- den Schwarzmarkt einzudämmen,
- die Produktqualität zu verbessern,
- den Jugendschutz zu stärken,
- erwachsene Konsumenten nicht länger unnötig zu kriminalisieren.
Weniger konkret bleibt die FDP bei der weiteren Ausgestaltung. Das Wahlprogramm enthält kein detailliertes Modell für Fachgeschäfte, Lizenzvergaben, Produktgrenzen oder staatliche Preisvorgaben.
Die FDP ist damit eindeutig dem Legalisierungslager zuzuordnen. Wie weit sie über den bestehenden Rechtsrahmen hinausgehen will, bleibt jedoch offener als bei Grünen und Linken.
Die Linke: Vollständige Legalisierung und zusätzliche Bezugswege
Die Linke vertritt die weitreichendste Legalisierungsposition unter den derzeit im Bundestag vertretenen Parteien.
Ihr Bundestagswahlprogramm 2025 fordert eine vollständige Legalisierung von Cannabis und die dafür notwendigen Veränderungen auf europäischer und internationaler Ebene. Überdies will die Partei den Konsum anderer Drogen entkriminalisieren und Präventions-, Beratungs- und Hilfsangebote ausbauen.
In einem Bundestagsantrag vom Januar 2026 konkretisierte die Linksfraktion ihre Forderungen. Dazu gehören:
- keine Rückabwicklung der bisherigen Legalisierung,
- wissenschaftliche Modellprojekte für unterschiedliche Formen einer kontrollierten legalen Abgabe,
- möglichst einheitliche und unbürokratische Genehmigungen für Anbauvereinigungen,
- die Abschaffung pauschaler Konsumabstände,
- eine realistischere Besitzobergrenze für den privaten Eigenanbau,
- die Legalisierung der nicht kommerziellen Weitergabe unter Erwachsenen,
- höhere Mittel für Prävention, Schadensminderung und Suchthilfe.
Die Linke verbindet damit kurzfristige Korrekturen des bestehenden Gesetzes mit dem langfristigen Ziel einer vollständigen Legalisierung.
Kontrollierte Abgabemodelle sollen nach ihrer Vorstellung zunächst wissenschaftlich erprobt werden. Die Partei lehnt eine Rückkehr zur früheren Strafverfolgung ausdrücklich ab.
AfD: Freigabe außerhalb medizinischer Anwendungen zurücknehmen
Die AfD lehnt die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken ab.
In ihrem Bundestagswahlprogramm 2025 bezeichnet sie die Freigabe außerhalb bestimmter medizinischer Indikationen als Fehler, der umgehend korrigiert werden müsse. Zur Begründung verweist sie insbesondere auf mögliche gesundheitliche und psychische Auswirkungen des Konsums bei Jugendlichen.
Ergänzend fordert die Partei einen Ausbau der suchtpsychiatrischen Versorgung mit dem Ziel einer dauerhaften Abstinenz.
Die AfD liegt damit in der grundsätzlichen Richtung nahe bei CDU und CSU. Ein regulierter Freizeitmarkt oder lizenzierte Fachgeschäfte werden nicht unterstützt.
Anders als die CDU beschreibt die AfD in ihrem Wahlprogramm jedoch nicht detailliert, welche Besitzmengen, Anbauformen und Strafvorschriften künftig gelten sollen. Die Forderung nach einer Korrektur der Freigabe ist eindeutig, die konkrete spätere Rechtslage bleibt aber vergleichsweise offen.
BSW: Keine verbindliche bundespolitische Cannabisposition
Das BSW lässt sich in der Cannabispolitik bislang nicht eindeutig dem Legalisierungs- oder Verbotslager zuordnen.
Das Bundestagswahlprogramm 2025 enthält keine konkrete Aussage zu Cannabis, zum Konsumcannabisgesetz, zu Anbauvereinigungen oder zu lizenzierten Verkaufsstellen. Eine Textsuche im offiziellen Programm ergibt keinen entsprechenden Programmpunkt.
Auch das Abstimmungsverhalten der damaligen BSW-Abgeordneten beim Cannabisgesetz im Februar 2024 war nicht geschlossen. Einzelne Abgeordnete stimmten unterschiedlich oder nahmen nicht an der Abstimmung teil. Daraus lässt sich keine verbindliche langfristige Parteiposition ableiten.
Positionen einzelner Mitglieder oder Landesverbände können auf innerparteiliche Strömungen hinweisen. Sie ersetzen jedoch keinen Beschluss der Bundespartei.
Die zentralen politischen Konfliktlinien
Strafrecht oder Regulierung
Der grundsätzliche Streit betrifft die Rolle des Strafrechts.
CDU und CSU wollen zu einem weitgehend verbotsorientierten Modell zurückkehren. Auch die AfD fordert eine Rücknahme der Freigabe, bleibt bei der konkreten Ausgestaltung aber weniger detailliert.
Grüne, FDP und Linke halten die strafrechtliche Verfolgung erwachsener Konsumenten dagegen für den falschen Ansatz. Die SPD vertritt programmatisch ebenfalls einen regulierungsorientierten Kurs, ist in der Bundesregierung jedoch an den Koalitionskompromiss gebunden.
Legale Bezugswege
Der Besitz bestimmter Mengen ist erlaubt, ein allgemeiner legaler Einzelhandel existiert jedoch nicht.
Für Erwachsene, die weder selbst anbauen noch Mitglied einer Anbauvereinigung sind, gibt es damit kaum reguläre legale Bezugswege. Grüne und Linke wollen diese Lücke durch lizenzierte Verkaufsstellen oder wissenschaftlich begleitete Abgabemodelle schließen.
Die FDP legt sich derzeit nicht auf ein konkretes Verkaufsmodell fest. Die SPD fordert grundsätzlich weitere Legalisierungsschritte, konnte diese aber nicht im Koalitionsvertrag verankern. Union und AfD lehnen einen legalen Freizeitmarkt ab.
Jugend- und Gesundheitsschutz
Fast alle Parteien berufen sich auf Jugend- und Gesundheitsschutz. Die daraus abgeleiteten Maßnahmen unterscheiden sich jedoch grundlegend.
Die Gegner der Legalisierung setzen stärker auf Verbote, Kontrollen und strafrechtliche Sanktionen. Die Befürworter argumentieren, dass Alterskontrollen, nachvollziehbare Wirkstoffgehalte, kontrollierte Produktqualität und gezielte Prävention in einem regulierten System besser durchsetzbar seien als auf dem Schwarzmarkt.
Der Konflikt betrifft daher weniger das Ziel als die geeigneten Mittel.
Schwarzmarkt und organisierte Kriminalität
Auch der fortbestehende Schwarzmarkt wird unterschiedlich interpretiert.
Union und AfD sehen darin einen Hinweis darauf, dass die Reform ihre Ziele nicht erreicht. Befürworter halten dagegen, dass der illegale Markt kaum wesentlich zurückgedrängt werden könne, solange ein großer Teil der Nachfrage nicht durch legale Bezugswege gedeckt werde.
Anbauvereinigungen und privater Eigenanbau erreichen nur einen Teil der Konsumenten. Grüne und Linke leiten daraus die Forderung nach zusätzlichen regulierten Abgabemöglichkeiten ab.
Fazit: Drei politische Lager in der Cannabispolitik
Die Positionen der Parteien lassen sich in drei Gruppen einteilen.
CDU, CSU und AfD wollen die Freigabe von Cannabis zu Genusszwecken zurücknehmen. Die CDU formuliert die konkretesten Forderungen und verlangt ausdrücklich ein erneutes vollständiges Verbot von Besitz, Anbau und Vertrieb. Die CSU fordert ebenfalls eine vollständige Rücknahme. Die AfD bleibt bei der späteren gesetzlichen Ausgestaltung weniger konkret.
Grüne, FDP und Linke wollen grundsätzlich an einer legalen Regulierung festhalten. Grüne und Linke fordern zusätzliche kontrollierte Bezugswege. Die FDP konzentriert sich stärker auf den Erhalt der Reform, Prävention und die Abkehr von der Kriminalisierung.
Die SPD steht zwischen ihrem eigenen Legalisierungsziel und dem Koalitionskompromiss mit CDU und CSU. Ihr Wahlprogramm spricht für weitere Schritte, die gemeinsame Regierungslinie sieht bislang jedoch nur die ergebnisoffene Prüfung des geltenden Rechts vor.
Das BSW besitzt auf Bundesebene weiterhin keine klar erkennbare Cannabisposition.
Kurzfristig ist weder ein flächendeckender kommerzieller Cannabismarkt noch eine vollständige Rückkehr zum früheren Verbot vereinbart. Entscheidend wird sein, welche Schlussfolgerungen CDU, CSU und SPD aus der laufenden Evaluation ziehen und auf welche konkreten Gesetzesänderungen sie sich einigen können.
Die zentrale Richtungsfrage bleibt bestehen: Soll Cannabiskonsum vor allem durch Verbote und Strafverfolgung zurückgedrängt werden – oder durch einen kontrollierten legalen Rahmen mit Prävention, Jugendschutz und überprüfbaren Produkten reguliert werden?
Quellen
- Konsumcannabisgesetz, insbesondere § 43 zur Evaluation
- Bundesministerium für Gesundheit: Fragen und Antworten zum Cannabisgesetz
- Bundesministerium für Gesundheit: Informationen zum Inkrafttreten des Cannabisgesetzes
- Bundesministerium für Gesundheit: Zweiter Zwischenbericht zur Evaluation des Konsumcannabisgesetzes, 1. April 2026
- Koalitionsvertrag 2025 zwischen CDU, CSU und SPD: „Verantwortung für Deutschland“
- CDU und CSU: Bundestagswahlprogramm 2025
- CDU: Angenommene Sach- und Initiativanträge des 38. Bundesparteitags 2026
- Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention: Stellungnahme zur Rücknahme der Cannabislegalisierung, Juni 2026
- SPD: Regierungsprogramm zur Bundestagswahl 2025
- Bündnis 90/Die Grünen: Regierungsprogramm zur Bundestagswahl 2025
- FDP: Bundestagswahlprogramm 2025
- Die Linke: Bundestagswahlprogramm 2025
- Deutscher Bundestag: Antrag „Gesundheit schützen – Cannabis legalisieren“, Drucksache 21/3912
- AfD: Bundestagswahlprogramm 2025
- BSW: Bundestagswahlprogramm 2025
- Deutscher Bundestag: Namentliche Abstimmung zum Cannabisgesetz vom 23. Februar 2024

