Die Zürcher Cannabis-Studie „Züri Can – Cannabis mit Verantwortung“ wird bis Oktober 2028 fortgeführt. Nach Angaben der Universität Zürich wurde die ursprünglich bis Oktober 2026 laufende Möglichkeit zum legalen Erwerb von Studiencannabis um zwei Jahre verlängert; die Finanzierung beschloss der Zürcher Gemeinderat im März 2026. Die Verlängerung wurde laut UZH zudem von der kantonalen Ethikkommission Zürich und vom Bundesamt für Gesundheit bewilligt.
Züri Can ist Teil der schweizerischen Pilotversuche zum nichtmedizinischen Cannabiskonsum. Die gesetzliche Grundlage dafür wurde 2020 beschlossen; seit Mai 2021 erlaubt sie örtlich und zeitlich begrenzte wissenschaftliche Versuche. Ziel ist es, mehr über Vor- und Nachteile eines kontrollierten Zugangs zu Cannabis zu erfahren und eine belastbare Grundlage für mögliche künftige Regulierungsentscheidungen zu schaffen.
In Zürich geht es dabei nicht nur um die Frage, ob legaler Bezug unter Auflagen praktisch funktioniert. Die Studie untersucht ausdrücklich auch, wie sich unterschiedliche Bezugsmodelle auf Konsumverhalten, Beratung und Gesundheitsschutz auswirken. Verglichen werden Apotheken, Cannabis Social Clubs und das Drogeninformationszentrum (DIZ). Genau dieser Vergleich macht das Projekt über die üblichen Grundsatzdebatten hinaus interessant, weil hier nicht nur Regulierung an sich, sondern auch deren konkrete Ausgestaltung untersucht wird.
Der Versuch hat inzwischen eine relevante Größenordnung erreicht. Nach dem zuletzt veröffentlichten Stand sind 2.456 Personen in die Studie aufgenommen und zum Kauf berechtigt. Studiencannabis kann an 21 Bezugsstellen erworben werden. Seit Beginn des Verkaufs wurden rund 110.500 Verkäufe registriert; insgesamt gingen dabei etwa 940 Kilogramm Cannabisprodukte in 5-Gramm-Packungen über die legalen Ausgabestellen.
Für die politische und fachliche Debatte ist auch der Produktstandard wichtig. In der Studie werden nur Produkte aus kontrolliertem Anbau eingesetzt. Die Stadt Zürich beschreibt dabei hohe Anforderungen an die Schadstofffreiheit; angeboten werden Produkte in Bioqualität, aus einheimischer Produktion und mit definierten THC- und CBD-Gehalten. Das BAG betont allgemein für die Pilotversuche, dass Qualität, Lieferketten und Produktinformation strikt kontrolliert werden und die Teilnehmenden durch geschultes Personal für Risiken sensibilisiert werden.
Der Zürcher Ansatz verbindet den legalen Bezug deshalb mit Beratung und Schadensminderung. Die Bezugsstellen sollen nicht nur verkaufen, sondern auch Informationen zu Konsumrisiken, Inhaltsstoffen und risikoärmerem Konsum vermitteln. Nach Angaben der Stadt Zürich werden die beteiligten Stellen dafür von Universität und Stadt geschult; bei gesundheitlichen Problemen steht zudem eine ärztliche Ansprechperson zur Verfügung.
Auch der schweizweite Rahmen liefert inzwischen erste Anhaltspunkte. Das BAG spricht aktuell von sieben Pilotversuchen mit zusammen rund 10.500 Teilnehmenden. In den übergeordneten Auswertungen zeigt sich bislang, dass der leichtere legale Zugang nicht zu einem Anstieg des Konsums geführt hat. Gleichzeitig gibt es laut BAG Tendenzen zu risikoärmerem Konsum, unter anderem dort, wo Beratung sowie Produkte mit angepassten THC-Gehalten eine größere Rolle spielen.
Vor diesem Hintergrund ist die Verlängerung in Zürich vor allem als Fortsetzung eines laufenden Datensatzes relevant. Mehr Zeit bedeutet hier vor allem mehr Vergleichsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Bezugsstellen, Produktprofilen und Konsummustern. Für die Schweiz ist das deshalb bedeutsam, weil die Pilotversuche ausdrücklich dazu dienen sollen, die Diskussion über den künftigen Umgang mit Cannabis auf eine wissenschaftliche Grundlage zu stellen.
Züri Can ist damit kein fertiges Modell für eine spätere Dauerregelung. Die Studie zeigt aber, wie ein regulierter Zugang unter klaren Vorgaben praktisch organisiert werden kann: mit kontrollierten Produkten, dokumentierten Lieferketten, Beratung in den Bezugsstellen und einer wissenschaftlichen Auswertung über mehrere Jahre. Gerade deshalb dürfte die Zürcher Verlängerung bis 2028 in der schweizerischen Cannabispolitik weiter Gewicht behalten.
Quellen
- Universität Zürich: Züri Can – Aktueller Stand — Projektstatus, Verlängerung bis Oktober 2028, Teilnehmendenzahlen und Verkaufsdaten.
- Stadt Zürich: Hintergrund, Zweck und Forschung — Ziel der Studie, regulierter Bezug, Vergleich der Abgabemodelle und wissenschaftliche Begleitung.
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Pilotversuche mit Cannabis — rechtlicher Rahmen und Funktion der Pilotversuche in der Schweiz.
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Ergebnisse aus den Pilotversuchen mit Cannabis — bisherige Erkenntnisse zu Konsumverhalten, Beratung und getesteten Verkaufsmodellen.
- Bundesamt für Gesundheit (BAG): Übersicht über die bewilligten Pilotversuche mit Cannabis — Einordnung des Zürcher Projekts in den schweizweiten Kontext.
